Ein Blog über Bücher und Schreiben

SAMe Love – Nadine Roth

Inhalt: Die siebzehnjährige Sam will nur eins in ihrem Leben: glücklich sein. Doch wenn sie in den Armen ihres Freundes Robin liegt, ist sie ganz und gar nicht glücklich. Es fühlt sich falsch an. Unvollständig. Erst als die neue Schülerin Romy wie ein Wirbelwind nicht nur ins Klassenzimmer, sondern auch in Sams Leben platzt, sind da mit einem Mal die Gefühle, die sie sich bei Robin so sehnlich gewünscht hat. Die sich richtig anfühlen und vor denen Sam sich dennoch fürchtet. Es kann doch nicht sein, dass sie sich ausgerechnet in eine Frau verliebt! Oder doch? Und selbst wenn – hat diese Liebe überhaupt eine Chance in einer Welt voller Intoleranz, Vorurteilen und Tabus? Eine Geschichte über ein Coming-out und die ganz große Liebe.

Jede Repräsentation ist gut. Oder?

Auf das Buch wurde ich während der LBM 2019 aufmerksam gemacht. Eine lesbische Liebesgeschichte in Richtung New Adult Genre? Das klang potenziell interessant für mich!
Und zuerst war ich auch ziemlich angetan. Kleine Vorabinfo: Das Buch ist nicht durch und durch schlecht. Ich finde es immer noch gut, dass Bücher mit LGBTQ+ Inhalt auf dem Markt ankommen, gemocht werden, geschrieben werden. Trotzdem ist meine Leseempfehlung für dieses Buch nur sehr eingeschränkt vorhanden. Es sollte sozusagen mit Vorsicht genossen werden.

Die Charaktere: Romy hat mir ziemlich gut gefallen. Ich konnte mich gut in sie reinfühlen, obwohl sie kein erzählender Charakter war, und sie war mir sympathisch.
Sam … Sam hat mir im ersten Drittel häufig direkt aus der Seele gesprochen, was der Grund für meine anfängliche Begeisterung war. Je länger ich jedoch gelesen habe, desto weniger habe ich sie verstanden. Ich konnte ihre Gedankengänge nicht gut nachvollziehen und ihre Schlussfolgerungen haben den Eindruck erweckt, als wäre sie kein ganz helles Köpfchen.

Die Lovestory: Wie sie sich entwickelt hat, fand ich relativ gut. Schön langsam, damit Sam auch Zeit hatte, sich in ihrer Sexualität neu zu finden. Etwas schwierig fand ich die intimen Szenen, weil Sam, die vorher ein schwieriges Verhältnis zu Sex hatte, sofort Feuer und Flamme war und alles mitgemacht hat. Äh … Nein. So funktioniert das nicht.
Allerdings kommen wir hier auch zu einem der größeren Knackpunkte der Geschichte …

Das Coming-Out und Queerness im Buch: Das erzwungene Coming-Out war extrem unrealistisch, unpassend und übertrieben. Ich war auf einer katholischen Mädchenschule mit NONNEN und da hat es niemanden wirklich interessiert, ob da zwei Mädchen Händchen gehalten haben. Ja, es gibt viele Vorurteile. Ja, schwere Coming-Outs gibt es. Aber eine ganze Schule als homophob darzustellen, aufgehetzt von einem einzigen Mädchen, ist einfach nicht zeitgemäß meiner Meinung nach – und mit der Meinung stehe ich in der Community nicht alleine da.
WrongTurn … Ich musste prusten, als die Band vorkam. Mir war absolut klar, auf was das anspielen soll und ich verabscheue das Shippen realer Personen. Und der superberühmte, professionelle Sänger verliert dann total die Fassung mitten auf der Bühne, weil sich zwei Mädchen küssen und ein „Love is Love“-Schild hochhalten? Beestiiimmt. Nicht. (Fun Fact: Von der Bühne aus sieht man im Zuschauerraum so gut wie nichts.)

Der Schreibstil: Der war soweit okay, aber man hat leider gemerkt, dass die Autorin definitiv nicht mehr 17 ist und sich auch lange nicht mehr mit 17-Jährigen Mädels unterhalten hat. Ich finde das Wort „antörnen“ ist sowieso schon eines der unsexiesten Wörter, die es gibt. Und ich bezweifle, dass Teenager das noch benutzen. Außerdem ….. Wortfelder aus dem Autobereich in intimen Szenen sind halt auch irgendwie … unsexy.

Spoiler: Robin: Nochmal, hier kommt jetzt ein Spoiler!
Robin ist Sams Freund zu Beginn des Buches, zwischendurch Ex-Freund und am Ende … Am Ende ist er ein mieses, homophobes (echt, jeder in diesem Buch ist homophob, bis auf Romys Familie), vergewaltigendes Schwein. Und er fängt als netter Kerl von nebenan an, das sollte man noch dazu sagen. Ganz zu schweigen davon, dass ich es höchst fragwürdig finde, in einer süßen Liebesgeschichte mehr oder weniger explizit Vergewaltigung und Nötigung zu BESCHREIBEN, war die Charakter-Entwicklung einfach absolut unglaubwürdig.
Oh. Und eine Trigger-Warnung gab es übrigens auch nicht. Da ich auch Band 2 gelesen habe, kann ich darüber hinaus noch sagen: Damit wird nicht adäquat umgegangen. Absolut nicht.

Zusammenfassung:

Cover: * * *
Story: * *
Figuren: * * *
Repräsentation: * *
Schreibstil: * *
Insgesamt: * * –

2 Kommentare

  1. AnneCaterina

    Danke für die Rezension! So, wie du es beschreibst, klingt es ein wenig als wollte die Autorin ein ganz „prekäres“ Thema aufgreifen, ist aber nicht ganz auf dem aktuellen Stand und verfolgt das Thema demnach auch nicht aktiv. Schade um die vertane Chance!

    • Tintendrache

      Ja, genau das Gefühl hatte ich leider auch. Tatsächlich ist das aber etwas, was viele von uns in der Community bemerkt haben. Bücher von Leuten mit LGBTQ+ Hintergrund und einer LGBTQ+ Thematik haben kaum einen Fokus auf die negativen Auswirkungen. Das Coming-Out ist meistens kein Drama, während das Coming-Out in Bücher von nicht-LGBTQ+ Autoren*innen immer der Dreh- und Angelpunkt des Dramas ist. Dadurch entsteht dann sowas.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2020 Tintendrache

Theme von Anders NorénHoch ↑