Ein Blog über Bücher und Schreiben

Verlagsautor*in – Mythos und Wahrheit

Vertrag von „Ein Königreich aus Feuer und Eis“

Der Verlag als Ponyhof

Zumindest scheinen einige Leute zu glauben, dass das Realität aus Verlagsautor*in ist 😉 Und ich will auch gar nicht sagen, dass ein Verlagsvertrag die Dinge nicht einfacher macht – vor allem im Vergleich zum Selfpublishing. Aber eine riesen große Fete ist es eben auch nicht. In letzter Zeit bekomme ich aber immer häufiger auf Social-Media mit, dass es eine Menge Mythen, Gerüchte und Vorurteile gibt, die mit Verlagen zu tun haben. Manche davon positiv, manche davon negativ. Ein paar gucke ich mir heute mal genauer an.
Eine Warnung: Dieser Artikel nimmt sich selbst nicht allzu ernst, also tut das bitte auch nicht 😉 Ich habe Selfpublishing nie ausprobiert (und werde ich auch vermutlich nicht, dafür habe ich davor viel zu großen Respekt), aber ob als SPler oder Verlagsautor*in: Beides ist gleichwertig in meinen Augen. Beides hat Vor- und Nachteile. Jeder sollte das machen, mit dem er oder sie sich am wohlsten fühlt!
Außerdem: Ich bin ohne Frage mehr als dankbar für meinen Verlagsvertrag. Dass das für viele ein unerfüllter Traum ist, weiß ich. Aber es geht mir auf den Keks, dass einige meinen, ich dürfte mich dann ja nicht beschweren. Doch. Tue ich. Darf ich. Mach ich.
In diesem Sinne:

5 Mythen über Verlagsautoren*innen

Mythos Nummer 1: Man verdient total viel Geld.
Wahrheit: Wenn das so wäre, glaubt ihr echt, ich würde noch in Deutschland rumsitzen und mir die Füße abfrieren? Okay, mal im Ernst. Die harten Fakten: Ich nicht mal eine 50% Beteiligung am Gewinn 😉 Natürlich entstehen mir auch keine Kosten, wie beim Selfpublishing, aber dafür behält der Verlag den Löwenanteil ein.

Mythos Nummer 2: Der Verlag regelt alles.
Wahrheit: Äh … schön wär’s. Ja, der Verlag kümmert sich um Lektorat, Korrektorat, Cover und Buchsatz. Den größten Teil der Werbung mache ich aber selbst, Social Media Aktionen denke ich mir selbst aus, Blogger schreibe ich selbst an – und …

Mythos Nummer 3: Verlagsautor*innen geben kein Geld für Merch aus! Das macht der Verlag!
Wahrheit: Kein Witz, habe ich letztens so gehört. Ich musste lachen. Laut. Dann habe ich meinen Kontoauszug gesehen und ein bisschen geweint. Und mir dann den Zeh an meiner Kiste mit Postkarten gestoßen, die ich von meinem eigenen Geld gekauft habe.

Vertrag von „Eine Krone aus Perlen und Asche“

Mythos Nummer 4: Entweder: Verlag und Autor*in entscheiden alles zusammen. Oder: Der Verlag entscheidet alleine! (Je nachdem, mit wem man sich gerade unterhält)
Wahrheit: Es ist eine Mischung aus beidem und von Verlag zu Verlag auch unterschiedlich 😉 Man kann schon sagen, wenn einem Cover oder Klappentext oder Titel nicht gut gefallen – der Verlag ist aber nicht dazu verpflichtet, das mit reinzunehmen. Es kommt auch immer darauf an, wie wichtig es einem ist, seine Meinung durchzusetzen. Ich habe die Einstellung: Mein Verlag hat definitiv mehr Ahnung von der Zielgruppe. Im Großen und Ganzen lasse ich sie also machen, was Entscheidungen bei Cover, Klappentext und Titel angeht.

Mythos Nummer 5: Hat man einen Vertrag, regnet es danach Verträge.
Wahrheit: Schon wieder ein jein. Sowohl beim „eigenen“ Verlag, als auch bei anderen Verlagen kommt es natürlich gut an, schon mal veröffentlicht zu sein. Bei seinem eigenen Verlag hat man in der Regel auch einen persönlicheren Kontakt und muss nicht den offiziellen Weg gehen, um ein Manuskript einzureichen. Trotzdem wird das Manuskript noch geprüft, und das kann unter Umständen auch länger dauern. Und dann heißt es auch lange noch nicht, dass das zweite Manuskript ebenfalls den richtigen Ton trifft!
Aber ja, die Chancen sind etwas größer. Garantien gibt es nie.

Vertrag von „Engelsschatten 1 und 2“

All das, aber …

Es gibt eine Menge Gründe, warum man sich für oder gegen einen Verlag entscheidet. Seien wir mal ehrlich: Hat man es geschafft, einen Vertrag zu ergattern, macht man sich das Leben einfacher. Von dem, was ich vom Selfpublishing mitbekommen habe, ist das wahnsinnig stressig, wahnsinnig viel Arbeit, und auch mit großen, finanziellen Risiken verbunden – und das alles über das Schreiben des Buches hinaus. Dazu kommen natürlich Präsenz auf Messen und im Buchhandel.
Also: Ich bin gerne Verlagsautorin. Und für mich persönlich ist das auch der einzige Weg, den ich mir vorstellen kann. Ein Ponyhof ist es trotzdem nicht. Eher manchmal ein Rennstall und jeder scheint „I want to be the very best, like no one ever waaaaas!“, im Kopf zu haben 😉 (Gern geschehen, für den Ohrwurm)

2 Kommentare

  1. Finley

    Interessant… du fühlst dich im Verlag sicherer und wendest dich dort hin/bleibst dort, da großer Respekt vor dem Self-Publishing besteht – während es für viele Self-Publisher ja (unter anderem) eine Hauptmotivation ist, dass sie Bammel vor einem Verlag haben ^^
    Tatsächlich bringt mich dieser Artikel etwas zum Nachdenken – Verlag ist klar immer mein Traum gewesen, wegen meiner Angst/meinem Respekt vor all der Verantwortung, die ich im SP sonst alleine hätte.
    Aber wenn ich jetzt so lese, dass das Marketing, Blogger-Relations etc. viel von dir selbst übernommen wird, und der Verlag „nur“ Korrektorat, Satz, Lektorat und Druck/Vertrieb übernimmt, denke ich mir fast „Ja gut, Lektorin, Korrektorin, Setzerin und Covergestalterin kann ich mir auch in den freien Profis suchen und dann auch das ganze Marketing/PR machen“…
    Ich glaube, wenn ich jemals 2 Romane druckreif kriege, habe ich Bock, beides mal auszuprobieren xD
    (Natürlich ist mir klar, dass auch die jahrelange Erfahrung, Professionalität und Vernetzung im Verlag das ist, wofür man zahlt, außerdem ein gewisses „Prestige“, Wege auf Messen etc. etc. 😉 Aber danke für diesen Denkanstoß!

    • Tintendrache

      Hey, vielen Dank für deine Einschätzung!
      Ja, das ist schon witzig, wie unterschiedlich da die Wahrnehmungen sind – je nachdem, auf welcher „Seite“ man steht 😉
      Dazu muss man sagen, dass sich mittlerweile in der Social-Media-Präsenz meines Verlags viel getan hat. Es wird mehr auf uns Autorinnen eingegangen, wir können uns mehr einbringen etc. Aber, ja, viel Marketing bleibt an dir selbst hängen. Mir macht das meistens Spaß, also ist das in Ordnung. Und man muss auch sagen, dass Korrektorak, Satz, Lektorat, Druck und Cover enorme Kosten verursachen. Da muss man im SP-Bereich natürlich auch bereit zu sein.
      Ich würde einfach sagen: Wenn du gerne bei einem Verlag unterkommen willst, probiere es! Falls es nicht klappt, kannst du immer noch ins SP gehen – oder eben beides machen. Gibt ja einige, die zweigleisig fahren 😉 Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen!

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