Inhalt:
Die fanatischen Heerscharen des Pannionischen Sehers stürmen aus dem Süden heran und überziehen Genabackis mit einer Welle der Gewalt. Um die schreckliche Armee abzuwehren, muss sich Hohefaust Dujek Einarm mit seinen früheren Feinden verbünden. Ob er dem Kriegsherrn Caladan Bruth und den Bewohnern der fliegenden Festung Mondbrut trauen kann, ist eine andere Frage. Doch Einarm hat keine Wahl: Die Truppen des Feindes rücken näher …

Was passiert … was … zur Hölle … was?!

So oder so ähnlich klinge ich beim Lesen dieser Reihe. Entweder, weil ich gerade keine Ahnung habe, was passiert, oder weil ich mir nur denke: Hat er nicht getan!
Die Antwort darauf ist immer: Doch, hat er getan 😉

Die „Das Spiel der Götter“-Reihe ist meiner Meinung nach das beste, was die Fantasy des 21. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Ja, sogar besser als die Askir-Reihe und ihr wisst, dass das was bei mir heißt. Als ich damals mit Band 1 angefangen habe, habe ich den erstmal abgebrochen. Ich war frustriert, weil ich nicht verstanden habe, worum es ging. Ich habe das Magie-System nicht verstanden, das Götter-System sowieso nicht und die Geschichte war aus so vielen Einzelteilen zusammengesetzt, dass nicht einmal ich sie im Kopf behalten konnte …
Aber dann meinte mein Lieblingsbuchhändler zu mir: Ja, der erste Band ist anstrengend, durch die ersten 100 Seiten muss man sich durchkämpfen. Danach wirst du nie wieder etwas anderes lesen wollen.
Vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber im Kern hatte er recht. Schon in der Mitte von Band 1 war ich vollkommen überzeugt von dieser Reihe und danach wurde es immer und immer besser.

Die Figuren: Mit Erikson ist das so. Er handelt die Geschichte nicht chronologisch den Figuren folgend ab, sondern chronologisch den Ereignissen folgend. Das heißt in Band 4 sind wir zu den Figuren des ersten Bandes zurückgekehrt. Einige vertraute Gesichter fehlen (weiß der Himmel, wo sie gerade rumturnen), aber Dujek Einarm, Elster, der Schnelle Ben, Caladan Bruth und Anomander Rake sind wieder von der Partie. Und verdammt nochmal sind diese Figuren episch. In Band 2 gab es eine Figur, die ich bis aufs Blut gehasst habe (war aber wohl beabsichtigt), aber hier … sie sind einfach alle viel zu cool, um sie nicht zu mögen. Und es gab einige sehr lustige Szenen, absolut skurril, als alle aufeinander getroffen sind. Aber auch neue Figuren wie die Mhybe, Silberfuchs und Lady Missgunst fand ich sehr spannend und ich freue mich darauf, sie näher kennenzulernen.
Die ganzen Figuren auseinanderzuhalten wird dadurch einfacher, dass sie wirklich alle einzigartig sind!

Das Setting: Ein bisschen schade fand ich es schon, dass wir die Wüste und die Sieben Städte hinter uns gelassen haben, aber ich wurde relativ schnell darüber hinweggetröstet. Zwar war das Setting in diesem Band nicht so wichtig, wie zum Beispiel in Band 2 und 3, aber das, was man davon mitbekommen hat, war definitiv spannend und gut beschrieben.

Die Handlung: Wo fange ich an? Ohne zu spoilern? Auf jeden Fall will ich so viel sagen: Man hat sehr viele Aha-Momente. Viele rätselhafte Dinge werden aufgeklärt und man versteht endlich mehr über das Magie- und Götter-System. Die neuen Antagonisten, die pannionische Domäne, ist ein absoluter Meisterschachzug. Ich hatte echt Gänsehaut, als sie näher beschrieben wurde. Weiße Wanderer, ihr könnt einpacken. Und das beste daran ist? Das unheimlichste an der Domäne ist nicht das Übernatürliche, der göttliche Einfluss. Sondern die Taten, zu denen fanatische Menschen fähig sind. Und dass ich, obwohl ich wusste, dass es Fantasy ist, hin und wieder gedacht habe: Jap. Das könnte auch in unserer Welt so passieren.

Der Schreibstil: Wie gesagt, Erikson erklärt wenig. Ich war immer schon froh, wenn die Figuren Fragen gestellt oder Ereignisse rekapituliert haben. Das hat enorm geholfen, den Überblick zu behalten. Ansonsten ist der Schreibstil recht angenehm zu lesen. Er ist nicht irgendwie übermäßig poetisch oder hochtrabend.

Ein paar Worte zur Fantasy: Aus Gründen, die ich gut verstehen und nicht immer gutheißen kann, wird alles mit J. R. R. Tolkien verglichen. Das ist weder Tolkien noch modernen Autoren_innen gegenüber fair, aber Tolkien ist nun einmal derjenige, der die moderne Fantasy geprägt hat. Darüber reden wir aber ein andermal.
Was ich nicht verstehen kann, ist, dass jemand wie George R. R. Martin auf so einen Thron gehoben wird und unbekanntere Autoren wie Erikson, Schwartz oder Feist mehr oder weniger ignoriert werden. Die „Game of Thrones“-Reihe ist … okay. Die ersten Bände mag ich, die letzten Bände sind meiner Meinung nach einfach nur noch wirr. Die Eigenleistung von Martin ist gleich null. Er lässt sich viel von der britischen Geschichte inspirieren, was ich nicht schlimm finde, aber wenn man sich dann anschaut, dass Erikson 6 Jahre lang nur geplant hat, um diese Welt zu erschaffen … (und dann sogar seine Reihe beendet hat *hüstel*). Es erscheint mir einfach nicht fair.
Ja, Erikson lesen ist nicht einfach. Man braucht vor allem am Anfang ein bisschen Geduld und muss es ertragen, nicht alles erklärt zu bekommen – was uns modernen Lesern sowieso schwerfällt, weil wir in Büchern alles zu Tode erklärt bekommen.
Also: Gebt Erikson eine Chance. Er hat sie definitiv verdient.

Zusammenfassung (Band 4):

Cover: 5 / 5
Story: 4 / 5
Setting: 4 / 5
Figuren: 5 / 5
Schreibstil: 5 / 5
Insgesamt: 5 / 5