[Ich habe mein Exemplar im Zuge einer Leserunde auf Lovelybooks erhalten]
Inhalt:
Drachen kennt Ella nur aus Legenden längst vergangener Zeiten, in denen die Wiesen Illestias noch blühten und das Land fruchtbar war. Bis sie im Wald auf einen Fremden trifft, mit glühenden Augen und von Dunkelheit umhüllt. Razul gehört zum Clan der Weißdrachen und ist gekommen, um ein Opfer zu fordern – Ella. Nur wenn sie ihn auf sein Schloss begleitet, verspricht er, ihr Dorf von Hunger und Kälte zu erlösen. Ella ist fest entschlossen, ihre Familie und Freunde zu retten, und lässt sich auf den Handel ein. Doch sie ahnt nicht, wie unberechenbar die Bestie in Razuls Herzen wütet …

Was passiert …?

Eine schwierige Rezension. Je mehr Bücher ich veröffentliche, je mehr Meinungen ich ausgesetzt bin, desto schwerer fällt es mir, negative Rezensionen zu schreiben. Gerade zu Büchern, von denen ich mir viel erhofft habe. Aber von Anfang an.
„Drachendunkel“ gehört zu den drei Romantasy-Titeln, die vom Carlsen Verlag als „romantische Fantasy-Highlights deutscher Autorinnen“ angepriesen und sehr stark beworben wurden. Zugegeben, nachdem ich vier Tage lang auf Instagram nur noch Bilder dieser drei Cover gesehen habe, war ich schon etwas genervt, aber dann wurden die Leserunden gestartet und ich habe mein Glück versucht. Bei „Drachendunkel“ hat es funktioniert und vor allem der Anfang und der Aufhänger klangen wirklich vielversprechend. Die Schöne und das Biest, aber mit Drachen? Viel besser kann es eigentlich nicht werden, oder?

Die Figuren: Ella ist unsere Protagonistin. Am Anfang fand ich sie noch recht sympathisch, auch wenn sie eine typische Young-Adult-Heldin ist: Impulsiv und denkt nicht viel nach, bevor sie handelt, weil sie ja so mutig ist. Aber gut, das sorgte für einige spannende Situationen. Im Laufe des Buches verlor sie jedoch mehr und mehr an Substanz und war außerdem nicht konsistent. Beziehungsweise: Es wurden viele Dinge über sie behauptet, die erst DANACH auch gezeigt wurden. Das wirkte so, als hätte man beim Schreiben gemerkt, dass sie noch ein paar Charaktereigenschaften braucht, aber dann vergessen, dass man sie hätte vorher einführen sollen. Der Epilog war, was sie angeht, eine große Enttäuschung. Da war nichts mehr von der selbstbestimmten Frau übrig, die sich nichts sagen lässt.
Razul macht eine ähnlich negative Entwicklung durch. Am Anfang war er noch spannend und hat aktiv gehandelt, am Ende hat er eigentlich nichts mehr wirklich auf die Kette gekriegt.
Der Bösewicht war … vor allem böse. Und hat böse gelacht. Und böse Gedanken gehabt. Und war sowieso durch und durch böse und böser als alle anderen und … böse einfach. Zu 100%.
Über alle anderen Figuren kann ich tatsächlich kaum etwas sagen, denn sie waren quasi nicht existent und sind nur in Erscheinung getreten, wenn sie plotrelevant waren – obwohl sie eigentlich die ganze Zeit mit dabei waren. Eine Figur wurde sogar mitten im Buch einfach zurückgelassen und da frage ich mich dann: warum überhaupt?

Das Setting: An sich war das Setting gut und hatte einige spannende Details. Zumindest am Anfang (ja, das zieht sich etwas durch). Leider nahm auch das ab, je weiter sich die Figuren vom Anfangsort entfernt haben. Das Schloss von Razul und Ellas Heimatdorf waren wunderschön gestaltet, ich kann sie immer noch vor mir sehen. Alles was danach kommt … Ich glaube, da waren Berge. Und äh … Berge? Und eine sehr trockene Ebene.

Die Handlung: Ihr könnt es erraten. Am Anfang war die Handlung spannend und interessant zu lesen. Durch die ersten 100 Seiten bin ich quasi geflogen. Danach hat sich eigentlich alles nur noch wiederholt. Sie wurden angegriffen, Razul war nutzlos, Ella hat den Tag gerettet. Kurze Unterhaltung. Angriff. Razul war nutzlos, Ella hat den Tag gerettet. Dramatische Liebeserklärung.
Das Ende … na ja. Es war definitiv was anderes und hat auch an sich recht gut zu der Botschaft gepasst, die das Buch ausdrücken wollte: Nämlich, dass Liebe viel wirksamer und besser und heilsamer ist, als Hass und Rachsucht. Was ich unterstütze. Nur leider kam das bei mir nicht so rüber, wegen der vorangegangenen „Liebe auf den erste Blick“. Auch ist für mich Liebe, die auf einer magischen Verbindung beruht (und nur darauf, denn für alles andere kennen sie sich nicht lange genug) keine richtige Liebe. Außerdem hat das ganze Buch lang über eine Prophezeiung eine Rolle gespielt, die … dann … nie wieder erwähnt wurde. Beziehungsweise; ich bin nicht sicher, ob das Ende etwas mit der Prophezeiung zu tun hat.
Wie aus dem Nichts tauchte dann auch noch ein Überdrache auf, der das ganze Problem Deus ex machina mäßig gelöst hat. Da hätte man vorher wunderbar Vermutungen streuen können! Aber ein Plottwist, der null vorbereitet ist, ist für mich einfach kein Plottwist.

Der Schreibstil: Auch der hat mich am Anfang des Buches sehr beeindruckt. Ja, es waren ein paar Formulierungen, die ich etwas seltsam fand, aber das ist Geschmackssache. Es ließ sich sehr flüssig lesen, war bildhaft und im Großen und Ganzen mit schönen Worten unterlegt. Und dann … kam die 100 Seiten Hürde. Da waren Formulierungen, die ich einfach nicht mehr schön fand, die nicht ausgereift wirkten, die ich in der Rohfassung auch mal so schreibe und dann allerspätestens im Lektorat ändere. Ein Geräusch, dass so grauenvoll ist, dass es Schmerzen erzeugt, als „ekelhaft“ zu bezeichnen zum Beispiel. Oder eine Formulierung wie: Das ging ja mal gar nicht!
Ja. Diese Formulierung geht in einer hochsprachlichen, personalen Erzählperspektive bei High Fantasy auch mal gar nicht.
Ich hatte das Gefühl, und ich sage das nur äußerst ungerne, dass ab Seite 100 entweder kein Lektorat mehr stattgefunden hat oder Lektorat und Autorin nicht mehr genug Zeit/Lust gehabt haben.

Allgemeine Gedanken: „Drachendunkel“ gehört zu einer Reihe von drei Büchern, die als „Fantasy-Highlights deutscher Autorinnen“ im großen Stil vermarktet wurden. Im Prinzip ein super Konzept, dass ich zu 100% unterstütze. Die Aufmachungen aller drei Bücher sind toll, zumindest soweit ich das gesehen habe, ich besitze ja nur „Drachendunkel“.
Was ich allerdings extrem auffällig finde, ist, dass vor allem „Das Lied der Sonne“ in den kritischen Rezensionen exakt die gleichen kritischen Punkte hatte, wie ich sie bei „Drachendunkel“ gesehen habe: Qualität, die nach den ersten 100 Seiten abfällt, eine Handlung, die nicht das hält, was sie verspricht, und eine Liebesgeschichte, die absolut unglaubwürdig und viel zu schnell ist. Auch von „Ezlyn“ sehe ich zunehmend Rezensionen, die ähnliche Punkte ansprechen – wenngleich „Ezlyn“ noch ziemlich gut wegkommt.
Ich bin auf jeden Fall auf die zweite Rutsche Bücher gespannt, die im September rauskommt.

Zusammenfassung:

Cover: 5/5
Story: 1,5/5
Setting: 2/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 1/5
Schreibstil: 2/5
Gesamt: 2/5