Ein Blog über Bücher und Schreiben

Monat: Mai 2020

Autorenleben und der ganze Rest

Wie schaffst du das eigentlich alles?

Jeder, den ich treffe, immer, irgendwann

Für alle, die es noch nicht wussten: Ich studiere Linguistik und Anglistik (auch wenn ich letzteres im nächsten Semester wechseln werde … vermutlich). Im Optionalbereich lerne ich aktuell Italienisch und möchte noch Französisch, Spanisch und Arabisch machen. Außerdem habe ich drei Jahre für den RVR gearbeitet und bin aktuell studentische Hilfskraft.
Ach ja, und ich schreibe und veröffentliche Bücher und weil ich so ein Planungstalent bin, fallen die Deadlines in den meisten Fällen mit meinen Klausurzeiten zusammen. Ich bin mittlerweile bei meinem sechsten Buch. So viel also dazu 😉

Prioritäten

So viele Aufgaben lassen sich kaum miteinander vereinbaren. Ein Vollzeitstudium und zwei Jobs sprengen jeden Rahmen. Um trotzdem alle meine Aufgaben zu erfüllen und Deadlines einzuhalten, muss ich Prioritäten setzen. Welche das sind, ist eine Entscheidung, die mir keiner abnehmen konnte. Meine Priorität liegt beim Schreiben, was viele ziemlich seltsam finden: Willst du denn nicht dein Studium beenden, um einen Job zu haben?
Ja schon. Aber Schreiben ist auch mein Job. Ich will später Teilzeit als Autorin und Teilzeit als … was auch immer ich dann mit meinem Studium anfange arbeiten 😉
Diese Entscheidung hilft mir dabei, meinen Tagesablauf zu sortieren und mein Semester zu planen. Also: weniger Veranstaltungen, wenn Deadlines anstehen. Vor der Uni schreiben, wenn ich erst so gegen 19 Uhr zu Hause bin (danach bin ich matschig und mag nicht mehr). Aber gucken wir uns das doch mal genau an …

Mein Tagesablauf

Im Moment ist natürlich alles durcheinander gewürfelt, deswegen nehmen wir uns mal meinen aktuellen Donnerstag. Das ist nämlich der einzige Tag, wo ich relativ regelmäßig Zoom-Meetings habe 😉
Mein Vater gibt ab 10 Uhr im Wohnzimmer Geigenunterricht (ja, mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen!). Das heißt, ich muss vorher unten gewesen sein und gefrühstückt haben.
9:00/9:15 Uhr klingelt mein Wecker.
9:30-10:00 Uhr frühstücke ich und trinke Kaffee. Meistens diskutiere ich dabei mit meinem Vater über den Unsinn, den unsere Zeitung oder die Menschheit fabriziert 😉

Kaffee, sehr wichtig!


10:00-11:00 Uhr räume ich in meinem Zimmer auf, mache meinen Social Media-Kram, beantworte Whatsapp-Nachrichten des vorangegangenen Abends und des Morgens.
11:00-unterschiedlich Uhr schreibe ich meinen Wordcount für den Tag zusammen. Das sind aktuell 1100 Wörter. Das schaffe ich in 20-120 Minuten – je nachdem. Aber gehen wir mal von einer Stunde aus.
12:00-13:30 Uhr mache ich Uni-Kram und meine Aufgaben (ich bin studentische Hilfskraft).
13:30-14:00 Uhr mache ich eine Pause, meistens mit was zu Essen und einem Buch.
14:15-15:45 Uhr und 16:15-17:45 Uhr habe ich dann meine beiden Seminare. Falls die nicht als Präsenzmeeting stattfinden, erledige ich in der Zeit meine restlichen Uni-Sachen, entspanne mich ein bisschen, schreibe vielleicht noch, erledige Testleser-Kram oder fange mit eigenen Überarbeitungen an.
18:30-19:00 Uhr habe ich Klavierunterricht, der tatsächlich ab dieser Woche wieder startet. Manchmal habe ich auch eine ganze Stunde, ab 18 Uhr – je nachdem, wie das mit der Uni passt.
19:30-20:15 Uhr gibt es dann Essen, zusammen mit meinen Eltern. Donnerstag bin ich in der Regel nicht fürs Kochen verantwortlich bzw. ich esse irgendwelche Reste … was in 9/10 Fällen irgendwas mit Nudeln ist.
Ab 20:15 Uhr versuche ich, keine To-Do’s mehr zu erledigen. Da habe ich dann sozusagen frei, was eben auch wichtig ist, wenn man nur im Home Office ist. Ich gucke dann oft einen Film oder Serien. Wenn ich Lust habe, schreibe ich dabei noch ein wenig, plotte oder überarbeite. Aber oft bin ich dann auch mental ziemlich erledigt und gönne mir einfach meinen Feierabend 🙂 Nur kurz vor Deadlines, gerade im Lektorat, arbeite ich nochmal richtig viel. Zum Teil habe ich bis 2:00 Uhr nachts an meinem Lektorat gesessen, weil nur noch so wenig Zeit übrig war. Das ist aber definitiv nichts, was regelmäßig passiert oder was ich regelmäßig aushalte! Aber hin und wieder ist das vollkommen in Ordnung. Dafür halte ich mir dann den nächsten Tag frei. Im letzten Semester bin ich ein paar Mal nicht zur Uni gegangen – wobei ich großes Glück habe, verständnisvolle Dozenten gehabt zu haben, die meinen Entschuldigungsgrund mehr als in Ordnung fanden.

Fazit

Tipps, die ich allen Leuten gebe, die auch so viel gleichzeitig schaffen müssen:
1. Setzt euch Prioritäten! Wenn die beim Studium liegen, ist das auch vollkommen verständlich und gut so, aber dann müsst ihr das bei der Angabe von Deadlines (gerade im Verlag) mit bedenken. Sonst bekommt ihr richtige Probleme.
2. Planung, Planung, Planung. Ich hatte bis vor ein paar Jahren nie wirklich einen Kalender. Mittlerweile ist mein Kalender das einzige, was mich davon abhält, nicht vollkommen im Aufgaben-Sumpf zu erledigen.
3. Atmen. Manchmal muss auch ich einfach sagen: Ich kann nicht mehr. Das geht nicht.
Die Deadline von „Die Jahresprinzessin – Klinge der Zeit“ war so ein Problem. Nachdem ich vier Kilo abgenommen und quasi nur noch geheult habe, habe ich die Reißleine ziehen müssen und mit meiner Betreuerin und meiner Lektorin gesprochen. Vor allem meine Betreuerin hat zum Glück sofort eingegriffen und uns drei Wochen mehr Zeit verschafft. Meine Lektorin hat sofort gesagt, dass ich ihr erst einmal nur die Hälfte des Manuskripts schicke und sie schon einmal anfängt. Die beiden haben mir echt den Rücken freigehalten, und meine Freundinnen und meine Familie haben mich daran erinnert, dass ich auch noch atmen muss <3

Verheißung – Jussi Adler Olsen

Inhalt: Eine Tote in einem Baum. Menschen auf der Suche nach Heilsversprechen in einer krisengeschüttelten, globalisierten Welt. Pseudoreligiöse Glaubensvereinigungen, verschwundene Frauen und ein ungeklärter Todesfall, dessen Spuren zu einem hochintelligenten, charismatischen Manipulator mit ehrgeizigen Zielen führen. Der sechste Fall für Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q führt alle Beteiligten weit über ihre Grenzen – beruflich und privat.

Die Krux von langen Krimi-Reihen

Den ersten Band des Sonderdezernat Q habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen, weil ich keine anderen Bücher mehr hatte (und meine Eltern meinen Horizont erweitern wollten). Ich war total begeistert von dem Buch und habe dann in jedem Sommer einen Band gelesen – bis ich den fünften Teil gelesen habe und enttäuscht war. Die Geschichte konnte mich einfach nicht abholen und ich habe länger gebraucht, um Band 6 in die Hand zu nehmen, obwohl dieser wieder besser sein sollte.
Das Problem mit dieser Art von Krimi-Reihen ist, dass die Figuren sich in der Regel nicht weiterentwickeln. Dadurch wirken die Bücher für mich nach einigen Bänden immer … ausgelutscht und anstrengend. Der schlechtgelaunte Kommissar ist ein paar Bände lang witzig, wird aber irgendwann nervig. Ewig lang hingezogene Rätsel sind am Anfang spannend, irgendwann will man aber nur die Lösung wissen.
Trotzdem hat mir der sechste Band gut genug gefallen, um auch bald den siebten zu lesen.

Die Handlung: Das Krimi-Rad wird hier definitiv nicht neu erfunden. Die Geschichte ist trotzdem recht unterhaltsam und weist einige Überraschungen auf. Vor allem das Ende konnte das Buch für mich wirklich rausreißen, da sich die Ereignisse dort überschlagen. Dadurch, dass die Handlung aber erst auf den letzten 150 Seiten wirklich in Gang kommt, hat das Buch sehr viele Längen. Dadurch war es manchmal eine Qual, das Buch in die Hand zu nehmen und weiterzulesen.

Die Figuren: Wie gesagt, die Stagnation der Figuren ist mein größtes Problem. Es ist einfach anstrengend, dass Rose sich immer über alles aufregt, Carl immer schlecht gelaunt ist und nie Lust auf einen Fall hat und Assad ein ewiges Mysterium ist – gleichzeitig ist er aber auch der Sympathieträger für mich.
Aber! Für mich war das Ende diesbezüglich ein Lichtblick. Ich hatte das Gefühl, dass endlich etwas in Gang kommt und sich auch innerlich bei den Figuren etwas bewegt. Definitiv ein Pluspunkt und ein Grund für mich, auch den nächsten Band zu lesen.

Der Schreibstil: Eigentlich gibt es dazu nicht viel zu sagen. Olsens Stil lässt sich flüssig lesen. In diesem Buch hatte ich manchmal Schwierigkeiten, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sätzen herzustellen.

Zusammenfassung

Handlung: 3/5
Figuren: 3/5
Schreibstil: 3,5/5
Insgesamt: 3/5

When We Dream – Anne Pätzold

Inhalt:

Wenn sich der größte K-Pop-Star der Welt, in ein ganz normales Mädchen verliebt …
Die 19-jährige Ella lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer älteren Schwester in Chicago. Die Stadt ist ihr zu groß, zu laut, zu voll, und am liebsten würde sich Ella mit ihren Büchern und ihrem Zeichenblock in ihr Zimmer zurückziehen und die Außenwelt, so oft es geht, vergessen. Doch dann lernt sie Jae-yong kennen. Dass er ein Mitglied der bekanntesten K-Pop-Gruppe der Welt ist, weiß sie nicht. Was sie weiß, ist, dass der junge Mann mit den tiefbraunen Augen ihre Welt von einem Moment auf den anderen aus den Angeln hebt …

Buchszene-Drama incoming …

Gefühlt hat sich die halbe Buchszene das Buch erst einmal nur gekauft, um einer Gruppe meckernder Menschen auf Twitter eins auszuwischen. So ganz verstanden hat dieses Drama eigentlich niemand und wie die meisten Streitereien in der Buchszene war es auch absolut albern und eher für den Sandkasten geeignet, als für Gespräche zwischen Erwachsenen. Aber na ja. Das Buch ist in aller Munde und nachdem ich viel Gutes gehört habe, konnte ich beim letzten Thalia-Besuch nicht dran vorbeigehen. Das Buch wird extrem gelobt, auch von vielen Leuten, die ich kenne. Konnte es meine Erwartungen erfüllen?

Die Handlung: Das New Adult Genre lebt von Geschichten, die super dramatisch sind, wo die Figuren von ihrer Vergangenheit verfolgt und schließlich eingeholt werden – was zu besagtem Drama führt. Bei diesem Buch fand ich es sehr erfrischend, dass das Drama nicht in der Vergangenheit lag, sondern hochaktuell war. Die Probleme waren nicht unbedingt die Geheimnisse, sondern die Realität. Es hat mir außerdem gut gefallen, dass mit der K-Pop Thematik mal ein anderes Thema auf den Tisch kam. Soweit ich das beurteilen kann, wurde hier auch gut recherchiert und durch die ahnungslose Ella wurde auch der nicht-informierte Leser an die Hand genommen, ohne, dass alles in Erklärungen untergegangen ist.
Trotzdem ist es New Adult, also kein Buch, das von seiner Handlung bestimmt wird, sondern von seinen Figuren. Und wir wissen alle, dass diese ihr Happily Ever After erst am Ende ihres letzten Bandes bekommen. Bei NA-Reihen, die in jedem Band ein anderes Pärchen begleiten, passiert das nach etwa 400-500 Seiten. Hier haben wir aber eine Trilogie und als ich das gesehen habe, musste ich leise seufzen. Ich lese eigentlich keine NA-Trilogien, eben weil sich das Drama so lange hinzieht und das in der Regel zu Ungunsten des Spannungsbogen geht. Das war leider auch hier der Fall. Der Spannungsbogen war extrem flach, nach dem neugierigmachenden Anfang ist nicht viel passiert. Ich weiß nicht, wie oft ich gelesen habe, dass Ella irgendeine Süßspeise ist und ins Bett fällt. Und dann wieder. Und wieder. Hier hätte vielleicht geholfen, wenn auch Jae-Yong eine Perspektive gehabt hätte, wie das ja oft in New Adult der Fall ist. Ellas Leben ist (das klingt jetzt echt böse, das tut mir leid) langweilig. Alles, was neben ihrer Beziehung zu Jae-Yong passiert, ist glatt und farblos und wiederholt sich ständig, sodass das Buch für mich zu viele Längen hatte.

Die Figuren: Tatsächlich fand ich die Nebenfiguren fast spannender, als Ella. Sie waren eigentlich alle sympathisch, nett zu lesen, inklusive Ella und Jae-Yong. Aber das war es auch schon. Ich habe keine Kanten gesehen, keine Schwächen gespürt. Sie waren alle etwas farblos und glatt. Die einzigen, die ein paar Spritzer abbekommen haben, waren Liv und Erin. Nicht einmal Mel war für mich als Figur wirklich greifbar, da ich keine Bindung zwischen ihr und ihren Schwestern gespürt habe.
Ella hatte für mich zu wenig Motivation, zu wenig Entwicklung (quasi gar keine). Und auch keine Hobbies. Ja, sie hat gerne gelesen, zumindest hat sie das immer gesagt. Gezeigt wurde das aber nicht wirklich. Sie hat auch gerne gezeichnet, sagt sie. Aber ich habe keine Leidenschaft von ihr gespürt, sie hat sich nicht mit anderen darüber ausgetauscht außer in zwei, drei Sätzen. Sogar Livs Backen war da etwas besser rübergebracht, wirkte aber auch eher nachträglich eingefügt. Ella mag gerne Disney-Filme, aber auch das wurde nur erzählt, nicht gezeigt. Sie hat ihre Eltern vermisst – aber nur, wenn es plotrelevant war. Der Konflikt mit Mel kam wie aus dem Nichts und wirkte dadurch erzwungen.
Über Jae-Yong weiß ich quasi gar nichts. Er sagt, dass er gerne liest, aber irgendwie nur Harry Potter? Zumindest wird über kein anderes Buch geredet. Wie gesagt, ich glaube, dem Buch hätte seine Perspektive definitiv gut getan.
Keine der Figuren war schlecht gemacht. Sie wirken nur nicht vollständig ausgearbeitet. Und auch, wenn es sich hier um einen ersten Band handelt, hätte ich mir mehr gewünscht.

Die Liebesgeschichte: Die Beziehung zwischen Ella und Jae-Yong war süß. Sehr zart, sehr langsam (wie gesagt, Spannungsbogen …) und definitiv einer der Pluspunkte des Buches, wenngleich ich mir auch da etwas mehr gewünscht hätte. Was ich allerdings extrem problematisch fand, war der erste Kuss. Ella verkrampft sich (obwohl ich nicht weiß, warum, das sagt sie nicht) und Jae-Yong sagt nur, dass sie keine Angst haben soll und … macht weiter. Das geht meiner Meinung nach überhaupt nicht, das ist nicht romantisch oder irgendwie beruhigend. Vor allem, weil wir sehr deutlich gemacht bekommen, dass er der Erfahrene von beiden ist – auch wenn ich mich frage, wie. Wenn er doch seit Jahren keine Beziehung haben darf. Jedenfalls verschiebt das die Machtposition sehr zu seinen Gunsten und das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Fazit: Das klingt jetzt alles negativer, als es eigentlich war. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch gefallen. Viele der Kritikpunkte führe ich darauf zurück, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Ich kann mir vorstellen, dass die weiteren Bände noch deutlich flüssiger werden. Der Schreibstil war jedenfalls recht gut, sehr unaufgeregt. Das zeigt also das Potenzial, auch wenn die Autorin noch einige Schwierigkeiten hatte, die einzelnen Punkte miteinander zu verbinden.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Handlung: 3/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 3/5
Schreibstil: 3/5
Gesamt: 3/5

Lektorat – die Schönen und die Verdammten

Was ist das und kann man das essen?

Ein Lektorat ist mehr oder weniger das beste, was einem Buch passieren kann. Als Autorin bin ich nach schreiben und fünfmal lesen betriebsblind. Rechtschreibfehler sehe ich schon lange nicht mehr, krumme Formulierungen fallen mir nicht auf … Und hin und wieder FALLEN sie mir auf, aber ich weiß einfach nicht weiter. Auch die Testleser haben schon einmal gelesen und noch ein bisschen mehr Kram gefunden.
Auftritt … Lektorat! Ich bin Verlagsautorin, deswegen wird mir eine Lektorin/ein Lektor zugewiesen. Ich kann Wünsche äußern oder Empfehlungen aussprechen und oft schauen Verlage auch, dass dieselben Leute zusammenbleiben – vor allem, wenn das gut zwischen ihnen funktioniert hat. Ich hatte bis jetzt immer nur LektorINNEN, deswegen bleiben wir bei der weiblichen Form 😉
Meine Lektorin bekommt das fertige Manuskript zugeschickt und liest es sich sehr aufmerksam durch. Seeeehr aufmerksam. Wirklich. Sehr aufmerksam. Meistens habe ich mindestens zwei Durchgänge. Im ersten Durchgang achtet meine Lektorin auf alles Inhaltliche. Also, Unklarheiten, Hände, die wild in der Gegend rumfliegen und Plotholes. Dann bekomme ich das Dokument zurück, überarbeite alles (oder stelle Gegenfragen) und schicke es wieder meiner Lektorin. Danach überarbeitet sie den Stil: Wortwiederholungen, Formulierungen etc. Das Spiel geht wieder von vorne los und am Ende landet das Manuskript dann im Verlag, wo erst Korrektorat und dann Satz übernehmen – und schon halten wir ein Buch in den Händen.

Die Schönen

Ihr seht also: Ein Lektorat ist wahnsinnig wertvoll. Es holt aus einem Buch nochmal alles heraus und hübscht es für die Leser_innen auf. Denn: Ich kenne alle Hintergründe. Mir ist alles glasklar. Euch nicht. Und deswegen muss meine Lektorin für euch einspringen. Manchmal ist das wahnsinnig bitter und anstrengend, weil man stundenlang über den gleichen Formulierungen grübelt. Und ich noch zusätzlich das Problem habe, nicht selbst Teil der Zielgruppe zu sein und generell ein sehr merkwürdiges Leseverhalten habe. Von daher gehen mir manche Änderungen echt gegen den Strich, aber ich weiß auch: Meine Lektorin weiß es vermutlich besser – und will mir nichts Böses. Oft hilft da durchatmen und später wieder dransetzen.
Aber oft läuft es auch echt gut. Gerade, wenn ich merke: Hier hat sie verstanden, was ich sagen wollte! Und wenn wir beide die Geschichte gleichermaßen mögen und noch in den Kommentaren kleine Unterhaltungen darüber führen. Auch Scherze oder ein „Super!“ sind für mich sehr aufbauend und lockern so eine Lektorats-Atmosphäre immer auf.

… und die Verdammten

Wie gesagt: Meistens hat die Lektorin recht. Aber manchmal gibt es Stellen da merke ich: Wenn ich das jetzt ändere, ist das nicht mehr mein Buch/mein Text. Dann spreche ich mit meiner Lektorin darüber oder sage ihr, dass ich das nur ungerne ändern möchte. In der Regel findet man dann eine Lösung, mit der alle leben können – und hin und wieder kommt ein Änderungsvorschlag auch nur zustande, weil etwas falsch verstanden wurde aka weil es unklar ausgedrückt war. Das lässt sich schnell ändern.
Aber so, wie man nicht alle Menschen mögen kann, kann das auch mal bei einem Lektorat der Fall sein. Entweder passt es zwischen Autorin und Lektorin nicht, oder auch zwischen Lektorin und Text. Letzteres ist für mich besonders ärgerlich, weil sich das in den Änderungen niederschlägt. Im besten Fall bleibt so eine Zusammenarbeit natürlich trotzdem professionell und die Lektorin und Autorin machen einfach ihren Job weiter. Ich habe es aber auch schon anders erlebt und dann kann ist das Lektorat wirklich eine Qual.
Was da hilft? Mit dem Verlag sprechen. Ich habe eine feste Ansprechpartnerin, die immer ein offenes Ohr für mich hat und mich damals sehr unterstützt hat. Im Endeffekt habe ich nicht viel von den Änderungen umgesetzt und dabei immer wieder Rücksprache mit meiner Betreuerin und mit Freundinnen gehalten, um nicht selbst von meiner eher negativen Haltung beeinflusst zu werden.

Fazit

Ein Lektorat ist unglaublich wichtig und ich würde es niemals missen wollen, auch wenn es viele Nerven kostet. Mit der richtigen Lektorin, und der richtigen Einstellung bei sich selbst!, kann man viel aus dem eigenen Text herausholen.
In den meisten Fällen wird eine Lektorin auch recht haben, das ist quasi ihr Job 😉 Sie kennt sich mit der Zielgruppe aus und ist als Vermittlerin zwischen Autorin und Lesern_innen tätig. Also: Hört auf eure Lektoren!
Aber hört auch auf euer Bauchgefühl. Euer Name steht am Ende fett auf dem Buch drauf. Ihr müsst euch für den Inhalt „verantworten“ und das wird schwierig, wenn ihr mit ihm nicht zufrieden seid.

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