Inhalt:

Wenn sich der größte K-Pop-Star der Welt, in ein ganz normales Mädchen verliebt …
Die 19-jährige Ella lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer älteren Schwester in Chicago. Die Stadt ist ihr zu groß, zu laut, zu voll, und am liebsten würde sich Ella mit ihren Büchern und ihrem Zeichenblock in ihr Zimmer zurückziehen und die Außenwelt, so oft es geht, vergessen. Doch dann lernt sie Jae-yong kennen. Dass er ein Mitglied der bekanntesten K-Pop-Gruppe der Welt ist, weiß sie nicht. Was sie weiß, ist, dass der junge Mann mit den tiefbraunen Augen ihre Welt von einem Moment auf den anderen aus den Angeln hebt …

Buchszene-Drama incoming …

Gefühlt hat sich die halbe Buchszene das Buch erst einmal nur gekauft, um einer Gruppe meckernder Menschen auf Twitter eins auszuwischen. So ganz verstanden hat dieses Drama eigentlich niemand und wie die meisten Streitereien in der Buchszene war es auch absolut albern und eher für den Sandkasten geeignet, als für Gespräche zwischen Erwachsenen. Aber na ja. Das Buch ist in aller Munde und nachdem ich viel Gutes gehört habe, konnte ich beim letzten Thalia-Besuch nicht dran vorbeigehen. Das Buch wird extrem gelobt, auch von vielen Leuten, die ich kenne. Konnte es meine Erwartungen erfüllen?

Die Handlung: Das New Adult Genre lebt von Geschichten, die super dramatisch sind, wo die Figuren von ihrer Vergangenheit verfolgt und schließlich eingeholt werden – was zu besagtem Drama führt. Bei diesem Buch fand ich es sehr erfrischend, dass das Drama nicht in der Vergangenheit lag, sondern hochaktuell war. Die Probleme waren nicht unbedingt die Geheimnisse, sondern die Realität. Es hat mir außerdem gut gefallen, dass mit der K-Pop Thematik mal ein anderes Thema auf den Tisch kam. Soweit ich das beurteilen kann, wurde hier auch gut recherchiert und durch die ahnungslose Ella wurde auch der nicht-informierte Leser an die Hand genommen, ohne, dass alles in Erklärungen untergegangen ist.
Trotzdem ist es New Adult, also kein Buch, das von seiner Handlung bestimmt wird, sondern von seinen Figuren. Und wir wissen alle, dass diese ihr Happily Ever After erst am Ende ihres letzten Bandes bekommen. Bei NA-Reihen, die in jedem Band ein anderes Pärchen begleiten, passiert das nach etwa 400-500 Seiten. Hier haben wir aber eine Trilogie und als ich das gesehen habe, musste ich leise seufzen. Ich lese eigentlich keine NA-Trilogien, eben weil sich das Drama so lange hinzieht und das in der Regel zu Ungunsten des Spannungsbogen geht. Das war leider auch hier der Fall. Der Spannungsbogen war extrem flach, nach dem neugierigmachenden Anfang ist nicht viel passiert. Ich weiß nicht, wie oft ich gelesen habe, dass Ella irgendeine Süßspeise ist und ins Bett fällt. Und dann wieder. Und wieder. Hier hätte vielleicht geholfen, wenn auch Jae-Yong eine Perspektive gehabt hätte, wie das ja oft in New Adult der Fall ist. Ellas Leben ist (das klingt jetzt echt böse, das tut mir leid) langweilig. Alles, was neben ihrer Beziehung zu Jae-Yong passiert, ist glatt und farblos und wiederholt sich ständig, sodass das Buch für mich zu viele Längen hatte.

Die Figuren: Tatsächlich fand ich die Nebenfiguren fast spannender, als Ella. Sie waren eigentlich alle sympathisch, nett zu lesen, inklusive Ella und Jae-Yong. Aber das war es auch schon. Ich habe keine Kanten gesehen, keine Schwächen gespürt. Sie waren alle etwas farblos und glatt. Die einzigen, die ein paar Spritzer abbekommen haben, waren Liv und Erin. Nicht einmal Mel war für mich als Figur wirklich greifbar, da ich keine Bindung zwischen ihr und ihren Schwestern gespürt habe.
Ella hatte für mich zu wenig Motivation, zu wenig Entwicklung (quasi gar keine). Und auch keine Hobbies. Ja, sie hat gerne gelesen, zumindest hat sie das immer gesagt. Gezeigt wurde das aber nicht wirklich. Sie hat auch gerne gezeichnet, sagt sie. Aber ich habe keine Leidenschaft von ihr gespürt, sie hat sich nicht mit anderen darüber ausgetauscht außer in zwei, drei Sätzen. Sogar Livs Backen war da etwas besser rübergebracht, wirkte aber auch eher nachträglich eingefügt. Ella mag gerne Disney-Filme, aber auch das wurde nur erzählt, nicht gezeigt. Sie hat ihre Eltern vermisst – aber nur, wenn es plotrelevant war. Der Konflikt mit Mel kam wie aus dem Nichts und wirkte dadurch erzwungen.
Über Jae-Yong weiß ich quasi gar nichts. Er sagt, dass er gerne liest, aber irgendwie nur Harry Potter? Zumindest wird über kein anderes Buch geredet. Wie gesagt, ich glaube, dem Buch hätte seine Perspektive definitiv gut getan.
Keine der Figuren war schlecht gemacht. Sie wirken nur nicht vollständig ausgearbeitet. Und auch, wenn es sich hier um einen ersten Band handelt, hätte ich mir mehr gewünscht.

Die Liebesgeschichte: Die Beziehung zwischen Ella und Jae-Yong war süß. Sehr zart, sehr langsam (wie gesagt, Spannungsbogen …) und definitiv einer der Pluspunkte des Buches, wenngleich ich mir auch da etwas mehr gewünscht hätte. Was ich allerdings extrem problematisch fand, war der erste Kuss. Ella verkrampft sich (obwohl ich nicht weiß, warum, das sagt sie nicht) und Jae-Yong sagt nur, dass sie keine Angst haben soll und … macht weiter. Das geht meiner Meinung nach überhaupt nicht, das ist nicht romantisch oder irgendwie beruhigend. Vor allem, weil wir sehr deutlich gemacht bekommen, dass er der Erfahrene von beiden ist – auch wenn ich mich frage, wie. Wenn er doch seit Jahren keine Beziehung haben darf. Jedenfalls verschiebt das die Machtposition sehr zu seinen Gunsten und das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Fazit: Das klingt jetzt alles negativer, als es eigentlich war. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch gefallen. Viele der Kritikpunkte führe ich darauf zurück, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Ich kann mir vorstellen, dass die weiteren Bände noch deutlich flüssiger werden. Der Schreibstil war jedenfalls recht gut, sehr unaufgeregt. Das zeigt also das Potenzial, auch wenn die Autorin noch einige Schwierigkeiten hatte, die einzelnen Punkte miteinander zu verbinden.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Handlung: 3/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 3/5
Schreibstil: 3/5
Gesamt: 3/5