Ein Blog über Bücher und Schreiben

Kategorie: Bücher (Seite 1 von 2)

Red, White & Royal Blue – Casey McQuiston

Inhalt:
Als seine Mutter zur ersten Präsidentin der USA gewählt wird, wird Alex Claremont-Diaz über Nacht zum Liebling der Nation: attraktiv, charismatisch, clever – ein Marketingtraum für das weiße Haus. Nur auf diplomatischer Ebene hapert es bei Alex leider ein wenig. Bei einem Staatsbesuch in England eskaliert Alexʼ schwelender Streit mit dem britischen Thronfolger Prinz Henry. Als die Medien davon Wind bekommen, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen den USA und England rapide. Zur Schadensbegrenzung sollen die beiden jungen Männer medienwirksam ihre Versöhnung vortäuschen.
Doch was, wenn Alex und Henry dabei feststellen, dass zwischen ihnen eine Anziehung existiert, die über eine Freundschaft weit hinausgeht?
Plötzlich steht nicht nur die Wiederwahl von Alexʼ Mutter auf dem Spiel …

Übertroffene Erwartungen

Zu erst einmal: Ich habe das Buch zuerst auf Englisch gehört, weil ich noch ein Audible-Guthaben hatte (und es mir direkt nach dem Hören bestellt und nochmal gelesen) (und dann nochmal gehört). Das Buch stand schon eine Weile auf meiner Liste, ich hatte nicht allzu viel erwartet und dann hat sich das ergeben. Was soll ich sagen; ich habe das Buch in drei Nächten durchgehört und war zweimal bis 5 Uhr wach, weil ich nicht aufhören konnte. Ich habe gelacht, bin fast aus dem Bett gefallen, habe viel „Awwww“ gemacht und hin und wieder ein bisschen geschnieft.
Gerechnet hatte ich mit einer etwas stereotypen, ganz netten Liebesgeschichte, bei der ich manchmal die Augen verdrehen würde.
Bekommen habe ich ein Buch, an dem ich nichts auszusetzen habe, das mich von vorne bis hinten überzeugen konnte und das in einer Welt spielt, in der ich aktuell tausendmal lieber leben würde. Eine Welt, die sozusagen nur einen Schritt von unserer entfernt ist.

Die Figuren: Alex ist der Erzähler, durch dessen Augen wir die ganze Geschichte erleben. Er ist sympathisch, lustig und selbstbewusst, ohne sich zu ernst zu nehmen. Erst im Laufe der Geschichte blutet auch seine andere Seite durch, die etwas düsterer ist und ihn dadurch endgültig nahbar macht. Als er begonnen hat, seine Sexualität zu hinterfragen, bin ich vor Lachen hin und wieder aus dem Bett gefallen (siehe oben …), weil das einfach … so perfekt war. So nachvollziehbar für jemanden, der seine Sexualität auch erst relativ spät entdeckt hat.
Henry ist … haaaach. Henry ist zum Knuddeln. Ich würde ihn gerne in eine Kuscheldecke wickeln und an einen sicheren Ort bringen, damit ihm niemand mehr wehtun kann.
Auch alle anderen Figuren fand ich sehr sympathisch und menschlich. Klar, vor allem die Älteren waren zum Teil etwas blass, aber sie sind immer wieder durch besondere Eigenschaften hervorgestochen.

Die Handlung: Der Plot ist an sich, wenn man den Klappentext gelesen hat, nicht allzu überraschend. Was mir wahnsinnig gut gefallen hat, ist, dass das Drama größtenteils außerhalb der Beziehung von Alex und Henry stattgefunden hat. Ein Punkt, der mich in Gay Romance ja immer stört; das Outing sorgt für Drama und die beiden Liebenden trennen sich. Was ich jedes Mal bescheuert und unrealistisch finde. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass das hier nicht der Fall war. Ansonsten weist die Handlung ein paar zauberhafte Episoden auf (TRUTHAHN, der Karaoke-Abend, der Ausflug zum See, das Museum … Oh Gott, das Museum x_x). Wenn man das Buch zum zweiten Mal liest, fällt einem auch extrem viel gute und clevere Vorbereitung der späteren Handlungsstränge auf. Das hat mir sehr gut gefallen!

Die Liebesgeschichte: Die Beziehung zwischen Alex und Henry ist natürlich das große Highlight. Enemies to fake friends to friends to friends with benefits to lovers ist halt irgenwie unser aller Kryptonit 😉 Meins auf jeden Fall, besonders, wenn es so unglaublich gut dargestellt wird. Nichts fühlte sich gehetzt oder erzwungen an, alle Schritte in der Beziehung waren nachvollziehbar und liebevoll. Auch, als Alex noch etwas dösig unterwegs war, war die Beziehung vor allem von Respekt füreinander geprägt. Über die Zitate berühmter Menschen am Ende der Mails muss ich glaube ich nichts sagen. Die sprechen für sich selbst.
Ein Punkt, den ich definitiv hervorheben muss: Gay Romance ist normalerweise voll von klischeehafter übersexualisierter Intimität. Jap, Red, White and Royal Blue ist New Adult. Es GIBT Sex. Aber! Casey McQuiston setzt hier konsequent durch, was die LBGTQ+ Community seit Jahren versucht an die Gesellschaft zu bringen; Sex ist nicht nur Penetration. Sex ist das, was wir daraus machen, und vor allem etwas, das nur mit Consent und Respekt funktioniert. Sollte selbstverständlich sein. Eigentlich.

Der Schreibstil: Auch der Stil ist wirklich gut. Ich wäre sogar bereit, hier Abstriche zu machen, weil der Rest des Buches so genial ist, aber Gott sei Dank muss ich das nicht. Der Stil ist leicht zu lesen, perfekt für die Geschichte, lustig und ernst an den richtigen Stellen. Ich kann hier aber auch nur für den Stil des Originals sprechen, ich weiß nicht, wie die Übersetzung aussieht.

Fazit: Ein absolut fantastisches Leseerlebnis, das ich allen ans Herz legen würde. Oder ein Hörerlebnis, ich mag den englischen Sprecher sehr gerne (auch wenn er einen amerikanischen Akzent hat … *seufz*). Eine Liebesgeschichte, die eine Welt zeichnet, in der Akzeptanz nicht nur ein Wort ist, sondern gelebt wird. Die mit wunderbaren Figuren besticht und einen einfach mit einem Glücksgefühl hinterlässt.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Story: 5/5
Figuren: 5/5
Liebesgeschichte: 5/5
Schreibstil: 5/5
Insgesamt: 5/5

Girls of Paper and Fire – Natasha Ngan

Inhalt:
In this richly developed fantasy, Lei is a member of the Paper caste, the lowest and most persecuted class of people in Ikhara. She lives in a remote village with her father, where the decade-old trauma of watching her mother snatched by royal guards for an unknown fate still haunts her. Now, the guards are back and this time it’s Lei they’re after — the girl with the golden eyes whose rumored beauty has piqued the king’s interest.

Over weeks of training in the opulent but oppressive palace, Lei and eight other girls learns the skills and charm that befit a king’s consort. There, she does the unthinkable: she falls in love. Her forbidden romance becomes enmeshed with an explosive plot that threatens her world’s entire way of life. Lei, still the wide-eyed country girl at heart, must decide how far she’s willing to go for justice and revenge.

Verschenktes Potenzial

Ich hatte mir viel von dem Buch versprochen. Lesbische Young Adult Fantasy, und die Protagonistin Lei erlebt eine Erfahrung, die Marlowes recht ähnlich ist. Es gibt sogar eine Triggerwarnung im Buch und ein Vorwort dazu, was ich sehr lobenswert finde. Theoretisch gesehen.
Der Einstieg fiel mir wahnsinnig leicht. Die ersten 190 Seiten habe ich am Stück gelesen und das Buch dann nur widerstrebend weggelegt – im Nachhinein hätte ich es besser an einem Stück gelesen denke ich. Aber der Reihe nach.

Die Figuren: Lei ist eine ziemlich typische Young-Adult-Heldin. Sie ist aufmüpfig, verurteilt andere schnell, ist tollpatschig, vergeigt durch ihre impulsive Art quasi jeden Plan selbst und ist eigentlich für jede ihr gestellte Aufgabe zu unfähig (bis zur Mitte des Buches – obwohl hier dann einfach der Unterricht nicht mehr erwähnt wird und ihr alles zufliegt, ohne, dass sie selbst handeln muss). Wren fand ich spannend und faszinierend. Ich hätte mir gewünscht, mehr über sie als Person zu erfahren.
Die anderen Figuren waren alle recht … generisch. Von ihnen habe ich schon in „Selection“ gelesen (es sind quasi dieselben Charaktere vertreten). Mir hat es aber ganz gut gefallen, dass sie alle verschiedene kulturelle Hintergründe hatten, die man auch durchgespürt hat. Vor allem am Anfang. Bis auf Aoki sind sie aber alle ziemlich blass gewesen.

Das Setting: Definitiv ein großes Highlight des Buches, von Anfang bis Ende! Wir befinden uns in etwas, das einem asiatischen Großreich recht ähnlich ist, würde es in unserer Welt spielen. Von daher finde ich es durchaus sinnvoll, dass es so viele Hinweise auf verschiedene Kulturen gibt. Die Idee der Menschen und Dämonen fand ich auch sehr spannend. Den Hof des Königs konnte ich mir sehr gut vorstellen und war fasziniert von der Idee der verschiedenen „Gebiete“ im Hof.

Die Handlung: Jetzt kommen wir zu den größeren Knackpunkten. Der Aufhänger der Geschichte ist toll und klingt wahnsinnig vielversprechend. Der Anfang ist dann auch wirklich gut, aber die ersten Schwächen kommen recht schnell. Ich hätte mir mehr Informationen über den Unterricht der Paper Girls gewünscht. So wurden die einzelnen Unterrichtseinheiten exakt dann erwähnt, wenn man mal gerade schnell einen Plotpunkt brauchte. Auch das Magie-System (wenn es eins ist?) ist mir überhaupt nicht klar geworden, ebenso das Göttersystem. Was schade ist, weil es dazu genug Gelegenheiten gegeben hätte.
Aber das ist nicht einmal das, was mich massiv gestört hat; ungefähr ab der Hälfte wurde es einfach vorhersehbar. Es kam nichts Neues, das habe ich alles schon einmal in anderen YA-Büchern gelesen. Die Plotstruktur gängiger Genre-Romane kam so deutlich durch, dass ich vermutlich die exakten Stellen von „Wendepunkt“ und allem anderen nennen könnte. Das Ende war ehrlich gesagt fast witzig, so unglaubwürdig kam es mir vor: Die Rebellen haben seit 200 Jahren ihre Rache geplant und verlassen sich einzig und allein auf ein einziges Mädchen? Und dann wird, OH ZUFALL, die Verantwortung auf ein anderes Mädchen übertragen, das sowas von nicht in der Lage dazu ist, den Plan durchzuführen und es trotzdem irgendwie schafft?
Auch die kleineren Plottwists waren nicht vorbereitet, sondern sind mehr oder weniger aus dem Himmel gefallen.
Was mich aber sogar NOCH mehr gestört hat und was das Buch haarscharf an die 1-Sterne-Grenze getrieben hat: Die Vergewaltigung war absolut und zu 100% unnötig. Leis angeblicher Wendepunkt danach war überflüssig, weil sie schon wütend und auf Rache aus gewesen ist. Und dann wurde die Vergewaltigung nicht einmal mehr thematisiert, außer um uns daran zu erinnern, wie wütend Lei ist. Sie hat nicht darunter gelitten. Sie war davon nicht beeinflusst. Und zwei Seiten später hat sie wieder mit Wren rumgeknutscht. So funktioniert Trauma nicht – auch wenn man individuelle Ausprägungen in den Blick nimmt. Das ist nicht realistisch und das ist kein Bild, das man jungen Frauen vermitteln sollte. Ganz zu Schweigen davon, dass „Healing through Love“ was wortwörtlich passiert ist, ein absolutes No-Go ist. Allgemein und in diesem Fall besonders.

Der Schreibstil: Der Stil war soweit in Ordnung, es ließ sich recht flüssig lesen. Hin und wieder hätten es etwas weniger Adjektive sein können, das war mir etwas „too much“. Aber im Großen und Ganzen wirklich schön zu lesen.

Fazit: Das Buch hat im Ansatz so viel richtig gemacht – und ist dann an seinen eigenen Erwartungen gescheitert. Statt einer toughen Protagonistin hatten wir Lei, die alleine nichts auf die Kette bekommen hat. Dabei ist es völlig in Ordnung, Dinge gemeinsam anzugehen, Feinde gemeinsam zu besiegen. Aber ihr wurde alles vorgekaut, sie war Teil der Pläne oder sogar Objekt der Pläne, aber nicht an ihrer Entstehung beteiligt. Ohne Wren wäre sie völlig aufgeschmissen gewesen.
Eine Triggerwarnugn ist gut und schön, aber dann sollte man sie wenigstens spezifisch genug machen und „rape“ hinschreiben. Das hat mich nämlich wie aus dem Nichts getroffen. Ganz zu schweigen davon, dass eine TW nicht reicht; man muss dann auch mit dem Thema umgehen können und das habe ich hier einfach nicht gesehen. Ein paar Tage schlechte Stimmung ist mir da einfach nicht genug.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Story: 2/5
Setting: 4/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 3/5
Schreibstil: 3/5
Insgesamt: 2/5

Verheißung – Jussi Adler Olsen

Inhalt: Eine Tote in einem Baum. Menschen auf der Suche nach Heilsversprechen in einer krisengeschüttelten, globalisierten Welt. Pseudoreligiöse Glaubensvereinigungen, verschwundene Frauen und ein ungeklärter Todesfall, dessen Spuren zu einem hochintelligenten, charismatischen Manipulator mit ehrgeizigen Zielen führen. Der sechste Fall für Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q führt alle Beteiligten weit über ihre Grenzen – beruflich und privat.

Die Krux von langen Krimi-Reihen

Den ersten Band des Sonderdezernat Q habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen, weil ich keine anderen Bücher mehr hatte (und meine Eltern meinen Horizont erweitern wollten). Ich war total begeistert von dem Buch und habe dann in jedem Sommer einen Band gelesen – bis ich den fünften Teil gelesen habe und enttäuscht war. Die Geschichte konnte mich einfach nicht abholen und ich habe länger gebraucht, um Band 6 in die Hand zu nehmen, obwohl dieser wieder besser sein sollte.
Das Problem mit dieser Art von Krimi-Reihen ist, dass die Figuren sich in der Regel nicht weiterentwickeln. Dadurch wirken die Bücher für mich nach einigen Bänden immer … ausgelutscht und anstrengend. Der schlechtgelaunte Kommissar ist ein paar Bände lang witzig, wird aber irgendwann nervig. Ewig lang hingezogene Rätsel sind am Anfang spannend, irgendwann will man aber nur die Lösung wissen.
Trotzdem hat mir der sechste Band gut genug gefallen, um auch bald den siebten zu lesen.

Die Handlung: Das Krimi-Rad wird hier definitiv nicht neu erfunden. Die Geschichte ist trotzdem recht unterhaltsam und weist einige Überraschungen auf. Vor allem das Ende konnte das Buch für mich wirklich rausreißen, da sich die Ereignisse dort überschlagen. Dadurch, dass die Handlung aber erst auf den letzten 150 Seiten wirklich in Gang kommt, hat das Buch sehr viele Längen. Dadurch war es manchmal eine Qual, das Buch in die Hand zu nehmen und weiterzulesen.

Die Figuren: Wie gesagt, die Stagnation der Figuren ist mein größtes Problem. Es ist einfach anstrengend, dass Rose sich immer über alles aufregt, Carl immer schlecht gelaunt ist und nie Lust auf einen Fall hat und Assad ein ewiges Mysterium ist – gleichzeitig ist er aber auch der Sympathieträger für mich.
Aber! Für mich war das Ende diesbezüglich ein Lichtblick. Ich hatte das Gefühl, dass endlich etwas in Gang kommt und sich auch innerlich bei den Figuren etwas bewegt. Definitiv ein Pluspunkt und ein Grund für mich, auch den nächsten Band zu lesen.

Der Schreibstil: Eigentlich gibt es dazu nicht viel zu sagen. Olsens Stil lässt sich flüssig lesen. In diesem Buch hatte ich manchmal Schwierigkeiten, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sätzen herzustellen.

Zusammenfassung

Handlung: 3/5
Figuren: 3/5
Schreibstil: 3,5/5
Insgesamt: 3/5

When We Dream – Anne Pätzold

Inhalt:

Wenn sich der größte K-Pop-Star der Welt, in ein ganz normales Mädchen verliebt …
Die 19-jährige Ella lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrer älteren Schwester in Chicago. Die Stadt ist ihr zu groß, zu laut, zu voll, und am liebsten würde sich Ella mit ihren Büchern und ihrem Zeichenblock in ihr Zimmer zurückziehen und die Außenwelt, so oft es geht, vergessen. Doch dann lernt sie Jae-yong kennen. Dass er ein Mitglied der bekanntesten K-Pop-Gruppe der Welt ist, weiß sie nicht. Was sie weiß, ist, dass der junge Mann mit den tiefbraunen Augen ihre Welt von einem Moment auf den anderen aus den Angeln hebt …

Buchszene-Drama incoming …

Gefühlt hat sich die halbe Buchszene das Buch erst einmal nur gekauft, um einer Gruppe meckernder Menschen auf Twitter eins auszuwischen. So ganz verstanden hat dieses Drama eigentlich niemand und wie die meisten Streitereien in der Buchszene war es auch absolut albern und eher für den Sandkasten geeignet, als für Gespräche zwischen Erwachsenen. Aber na ja. Das Buch ist in aller Munde und nachdem ich viel Gutes gehört habe, konnte ich beim letzten Thalia-Besuch nicht dran vorbeigehen. Das Buch wird extrem gelobt, auch von vielen Leuten, die ich kenne. Konnte es meine Erwartungen erfüllen?

Die Handlung: Das New Adult Genre lebt von Geschichten, die super dramatisch sind, wo die Figuren von ihrer Vergangenheit verfolgt und schließlich eingeholt werden – was zu besagtem Drama führt. Bei diesem Buch fand ich es sehr erfrischend, dass das Drama nicht in der Vergangenheit lag, sondern hochaktuell war. Die Probleme waren nicht unbedingt die Geheimnisse, sondern die Realität. Es hat mir außerdem gut gefallen, dass mit der K-Pop Thematik mal ein anderes Thema auf den Tisch kam. Soweit ich das beurteilen kann, wurde hier auch gut recherchiert und durch die ahnungslose Ella wurde auch der nicht-informierte Leser an die Hand genommen, ohne, dass alles in Erklärungen untergegangen ist.
Trotzdem ist es New Adult, also kein Buch, das von seiner Handlung bestimmt wird, sondern von seinen Figuren. Und wir wissen alle, dass diese ihr Happily Ever After erst am Ende ihres letzten Bandes bekommen. Bei NA-Reihen, die in jedem Band ein anderes Pärchen begleiten, passiert das nach etwa 400-500 Seiten. Hier haben wir aber eine Trilogie und als ich das gesehen habe, musste ich leise seufzen. Ich lese eigentlich keine NA-Trilogien, eben weil sich das Drama so lange hinzieht und das in der Regel zu Ungunsten des Spannungsbogen geht. Das war leider auch hier der Fall. Der Spannungsbogen war extrem flach, nach dem neugierigmachenden Anfang ist nicht viel passiert. Ich weiß nicht, wie oft ich gelesen habe, dass Ella irgendeine Süßspeise ist und ins Bett fällt. Und dann wieder. Und wieder. Hier hätte vielleicht geholfen, wenn auch Jae-Yong eine Perspektive gehabt hätte, wie das ja oft in New Adult der Fall ist. Ellas Leben ist (das klingt jetzt echt böse, das tut mir leid) langweilig. Alles, was neben ihrer Beziehung zu Jae-Yong passiert, ist glatt und farblos und wiederholt sich ständig, sodass das Buch für mich zu viele Längen hatte.

Die Figuren: Tatsächlich fand ich die Nebenfiguren fast spannender, als Ella. Sie waren eigentlich alle sympathisch, nett zu lesen, inklusive Ella und Jae-Yong. Aber das war es auch schon. Ich habe keine Kanten gesehen, keine Schwächen gespürt. Sie waren alle etwas farblos und glatt. Die einzigen, die ein paar Spritzer abbekommen haben, waren Liv und Erin. Nicht einmal Mel war für mich als Figur wirklich greifbar, da ich keine Bindung zwischen ihr und ihren Schwestern gespürt habe.
Ella hatte für mich zu wenig Motivation, zu wenig Entwicklung (quasi gar keine). Und auch keine Hobbies. Ja, sie hat gerne gelesen, zumindest hat sie das immer gesagt. Gezeigt wurde das aber nicht wirklich. Sie hat auch gerne gezeichnet, sagt sie. Aber ich habe keine Leidenschaft von ihr gespürt, sie hat sich nicht mit anderen darüber ausgetauscht außer in zwei, drei Sätzen. Sogar Livs Backen war da etwas besser rübergebracht, wirkte aber auch eher nachträglich eingefügt. Ella mag gerne Disney-Filme, aber auch das wurde nur erzählt, nicht gezeigt. Sie hat ihre Eltern vermisst – aber nur, wenn es plotrelevant war. Der Konflikt mit Mel kam wie aus dem Nichts und wirkte dadurch erzwungen.
Über Jae-Yong weiß ich quasi gar nichts. Er sagt, dass er gerne liest, aber irgendwie nur Harry Potter? Zumindest wird über kein anderes Buch geredet. Wie gesagt, ich glaube, dem Buch hätte seine Perspektive definitiv gut getan.
Keine der Figuren war schlecht gemacht. Sie wirken nur nicht vollständig ausgearbeitet. Und auch, wenn es sich hier um einen ersten Band handelt, hätte ich mir mehr gewünscht.

Die Liebesgeschichte: Die Beziehung zwischen Ella und Jae-Yong war süß. Sehr zart, sehr langsam (wie gesagt, Spannungsbogen …) und definitiv einer der Pluspunkte des Buches, wenngleich ich mir auch da etwas mehr gewünscht hätte. Was ich allerdings extrem problematisch fand, war der erste Kuss. Ella verkrampft sich (obwohl ich nicht weiß, warum, das sagt sie nicht) und Jae-Yong sagt nur, dass sie keine Angst haben soll und … macht weiter. Das geht meiner Meinung nach überhaupt nicht, das ist nicht romantisch oder irgendwie beruhigend. Vor allem, weil wir sehr deutlich gemacht bekommen, dass er der Erfahrene von beiden ist – auch wenn ich mich frage, wie. Wenn er doch seit Jahren keine Beziehung haben darf. Jedenfalls verschiebt das die Machtposition sehr zu seinen Gunsten und das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Fazit: Das klingt jetzt alles negativer, als es eigentlich war. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch gefallen. Viele der Kritikpunkte führe ich darauf zurück, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Ich kann mir vorstellen, dass die weiteren Bände noch deutlich flüssiger werden. Der Schreibstil war jedenfalls recht gut, sehr unaufgeregt. Das zeigt also das Potenzial, auch wenn die Autorin noch einige Schwierigkeiten hatte, die einzelnen Punkte miteinander zu verbinden.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Handlung: 3/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 3/5
Schreibstil: 3/5
Gesamt: 3/5

Drachendunkel – Eyrisha Summers

[Ich habe mein Exemplar im Zuge einer Leserunde auf Lovelybooks erhalten]
Inhalt:
Drachen kennt Ella nur aus Legenden längst vergangener Zeiten, in denen die Wiesen Illestias noch blühten und das Land fruchtbar war. Bis sie im Wald auf einen Fremden trifft, mit glühenden Augen und von Dunkelheit umhüllt. Razul gehört zum Clan der Weißdrachen und ist gekommen, um ein Opfer zu fordern – Ella. Nur wenn sie ihn auf sein Schloss begleitet, verspricht er, ihr Dorf von Hunger und Kälte zu erlösen. Ella ist fest entschlossen, ihre Familie und Freunde zu retten, und lässt sich auf den Handel ein. Doch sie ahnt nicht, wie unberechenbar die Bestie in Razuls Herzen wütet …

Was passiert …?

Eine schwierige Rezension. Je mehr Bücher ich veröffentliche, je mehr Meinungen ich ausgesetzt bin, desto schwerer fällt es mir, negative Rezensionen zu schreiben. Gerade zu Büchern, von denen ich mir viel erhofft habe. Aber von Anfang an.
„Drachendunkel“ gehört zu den drei Romantasy-Titeln, die vom Carlsen Verlag als „romantische Fantasy-Highlights deutscher Autorinnen“ angepriesen und sehr stark beworben wurden. Zugegeben, nachdem ich vier Tage lang auf Instagram nur noch Bilder dieser drei Cover gesehen habe, war ich schon etwas genervt, aber dann wurden die Leserunden gestartet und ich habe mein Glück versucht. Bei „Drachendunkel“ hat es funktioniert und vor allem der Anfang und der Aufhänger klangen wirklich vielversprechend. Die Schöne und das Biest, aber mit Drachen? Viel besser kann es eigentlich nicht werden, oder?

Die Figuren: Ella ist unsere Protagonistin. Am Anfang fand ich sie noch recht sympathisch, auch wenn sie eine typische Young-Adult-Heldin ist: Impulsiv und denkt nicht viel nach, bevor sie handelt, weil sie ja so mutig ist. Aber gut, das sorgte für einige spannende Situationen. Im Laufe des Buches verlor sie jedoch mehr und mehr an Substanz und war außerdem nicht konsistent. Beziehungsweise: Es wurden viele Dinge über sie behauptet, die erst DANACH auch gezeigt wurden. Das wirkte so, als hätte man beim Schreiben gemerkt, dass sie noch ein paar Charaktereigenschaften braucht, aber dann vergessen, dass man sie hätte vorher einführen sollen. Der Epilog war, was sie angeht, eine große Enttäuschung. Da war nichts mehr von der selbstbestimmten Frau übrig, die sich nichts sagen lässt.
Razul macht eine ähnlich negative Entwicklung durch. Am Anfang war er noch spannend und hat aktiv gehandelt, am Ende hat er eigentlich nichts mehr wirklich auf die Kette gekriegt.
Der Bösewicht war … vor allem böse. Und hat böse gelacht. Und böse Gedanken gehabt. Und war sowieso durch und durch böse und böser als alle anderen und … böse einfach. Zu 100%.
Über alle anderen Figuren kann ich tatsächlich kaum etwas sagen, denn sie waren quasi nicht existent und sind nur in Erscheinung getreten, wenn sie plotrelevant waren – obwohl sie eigentlich die ganze Zeit mit dabei waren. Eine Figur wurde sogar mitten im Buch einfach zurückgelassen und da frage ich mich dann: warum überhaupt?

Das Setting: An sich war das Setting gut und hatte einige spannende Details. Zumindest am Anfang (ja, das zieht sich etwas durch). Leider nahm auch das ab, je weiter sich die Figuren vom Anfangsort entfernt haben. Das Schloss von Razul und Ellas Heimatdorf waren wunderschön gestaltet, ich kann sie immer noch vor mir sehen. Alles was danach kommt … Ich glaube, da waren Berge. Und äh … Berge? Und eine sehr trockene Ebene.

Die Handlung: Ihr könnt es erraten. Am Anfang war die Handlung spannend und interessant zu lesen. Durch die ersten 100 Seiten bin ich quasi geflogen. Danach hat sich eigentlich alles nur noch wiederholt. Sie wurden angegriffen, Razul war nutzlos, Ella hat den Tag gerettet. Kurze Unterhaltung. Angriff. Razul war nutzlos, Ella hat den Tag gerettet. Dramatische Liebeserklärung.
Das Ende … na ja. Es war definitiv was anderes und hat auch an sich recht gut zu der Botschaft gepasst, die das Buch ausdrücken wollte: Nämlich, dass Liebe viel wirksamer und besser und heilsamer ist, als Hass und Rachsucht. Was ich unterstütze. Nur leider kam das bei mir nicht so rüber, wegen der vorangegangenen „Liebe auf den erste Blick“. Auch ist für mich Liebe, die auf einer magischen Verbindung beruht (und nur darauf, denn für alles andere kennen sie sich nicht lange genug) keine richtige Liebe. Außerdem hat das ganze Buch lang über eine Prophezeiung eine Rolle gespielt, die … dann … nie wieder erwähnt wurde. Beziehungsweise; ich bin nicht sicher, ob das Ende etwas mit der Prophezeiung zu tun hat.
Wie aus dem Nichts tauchte dann auch noch ein Überdrache auf, der das ganze Problem Deus ex machina mäßig gelöst hat. Da hätte man vorher wunderbar Vermutungen streuen können! Aber ein Plottwist, der null vorbereitet ist, ist für mich einfach kein Plottwist.

Der Schreibstil: Auch der hat mich am Anfang des Buches sehr beeindruckt. Ja, es waren ein paar Formulierungen, die ich etwas seltsam fand, aber das ist Geschmackssache. Es ließ sich sehr flüssig lesen, war bildhaft und im Großen und Ganzen mit schönen Worten unterlegt. Und dann … kam die 100 Seiten Hürde. Da waren Formulierungen, die ich einfach nicht mehr schön fand, die nicht ausgereift wirkten, die ich in der Rohfassung auch mal so schreibe und dann allerspätestens im Lektorat ändere. Ein Geräusch, dass so grauenvoll ist, dass es Schmerzen erzeugt, als „ekelhaft“ zu bezeichnen zum Beispiel. Oder eine Formulierung wie: Das ging ja mal gar nicht!
Ja. Diese Formulierung geht in einer hochsprachlichen, personalen Erzählperspektive bei High Fantasy auch mal gar nicht.
Ich hatte das Gefühl, und ich sage das nur äußerst ungerne, dass ab Seite 100 entweder kein Lektorat mehr stattgefunden hat oder Lektorat und Autorin nicht mehr genug Zeit/Lust gehabt haben.

Allgemeine Gedanken: „Drachendunkel“ gehört zu einer Reihe von drei Büchern, die als „Fantasy-Highlights deutscher Autorinnen“ im großen Stil vermarktet wurden. Im Prinzip ein super Konzept, dass ich zu 100% unterstütze. Die Aufmachungen aller drei Bücher sind toll, zumindest soweit ich das gesehen habe, ich besitze ja nur „Drachendunkel“.
Was ich allerdings extrem auffällig finde, ist, dass vor allem „Das Lied der Sonne“ in den kritischen Rezensionen exakt die gleichen kritischen Punkte hatte, wie ich sie bei „Drachendunkel“ gesehen habe: Qualität, die nach den ersten 100 Seiten abfällt, eine Handlung, die nicht das hält, was sie verspricht, und eine Liebesgeschichte, die absolut unglaubwürdig und viel zu schnell ist. Auch von „Ezlyn“ sehe ich zunehmend Rezensionen, die ähnliche Punkte ansprechen – wenngleich „Ezlyn“ noch ziemlich gut wegkommt.
Ich bin auf jeden Fall auf die zweite Rutsche Bücher gespannt, die im September rauskommt.

Zusammenfassung:

Cover: 5/5
Story: 1,5/5
Setting: 2/5
Figuren: 2/5
Liebesgeschichte: 1/5
Schreibstil: 2/5
Gesamt: 2/5

Macht – Die Getreuen und die Gefallenen – John Gwynne

Inhalt:
Wo sich die Verfemten Lande erstrecken, färbte Blut die Welt einst rot. Wo heute uralte Ruinen stehen, bezwangen Menschen Giganten. Wo einzig das Heulen der Woelven erklingt, brannte vor tausenden Jahren die Welt. Doch zu lange haben sich die Menschen in Sicherheit gewähnt. Nun weinen die Gigantensteine Blut, und in den Verfemten Landen regt sich erneut, was für immer verbannt sein sollte. Ein uralter Feind hat längst eine Allianz geschmiedet und wartet darauf, dass seine Stunde kommt. Und nur einer vermag es, ihn aufzuhalten, wenn die Schwarze Sonne die Welt betritt …

I did see that coming … Still loved it!

Mal ein paar Worte zu Plottwists, bevor ich hier mit der Rezension loslege. Ich liebe Plottwists, auch krasse, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Aber ich finde es auch nicht schlimm, wenn Plottwists vorausgeahnt werden können. Oft sehe ich in Rezensionen: Fand ich doof, wusste vorher schon, was der Plottwist ist …
Ja und? Ich meine, das heißt eigentlich nur, dass das Buch einen sehr guten Job in Bezug auf Worldbuilding macht und dass der Autor/die Autorin es drauf hat, konsistent zu schreiben. Ohne hier spoilern zu wollen: Ich habe es mir fast gedacht. Was sich am Ende rauskristallisiert. Und ich habe es geliebt, weil ich jeden neuen Hinweis aufgesogen habe, weil ich den Umgang mit dem Plottwist super fand und die Fragen, die er aufwirft. Genauso freue ich mich übrigens immer darüber, recht zu haben, weil ich mir dann clever vorkomme 😉

Die Figuren: Eigentlich mochte sie alle. Die Sympathischen, die Unsympathischen, die Protagonisten, die Antagonisten, die irgendwo in der Mitte. Es gab keine Figur, die ich so richtig abgrundtief gehasst habe – was ich ein kleines bisschen schade finde. Andererseits ist es auch weniger frustrierend.

Das Setting: Recht solide, nichts weltbewegend Großartiges und nicht zu vergleichen mit Erikson, aber schön vorstellbar und spannend. Gwynne testet keine krassen Szenerien aus, das muss er aber auch nicht.

Die Handlung: Ebenfalls äußerst solide. Spannend, abwechslungsreich und hin und wieder emotional. Keine großen Liebesgeschichten, die eine Rolle spielen. Ich liebe die Tatsache, dass die Frage aufgeworfen wird, was genau eigentlich böse sein heißt. Ist der böse, der böses tut, im Glauben, ein gutes Ziel zu erreichen? Kann es überhaupt einen Bösen geben, wenn alle glauben, sie wären die Guten?

Der Schreibstil: Definitiv einer der größten Pluspunkte des Buches! Der Schreibstil ist angenehm, man fliegt geradezu durch die eher kurzen Kapitel und ich habe die letzten 120 Seiten in einem Rutsch gelesen. Das finde ich mit Fantasy oft schwierig, aber Gwynne schreibt wirklich toll. Was mich allerdings massiv gestört hat, waren die Zeitsprünge – auch innerhalb von Kapiteln. An sich habe ich nichts gegen Zeitsprünge, aber es waren sehr viele und oft fehlte dann eine kurze zeitliche Einordnung, was die Erzählung zum Teil verwirrend gemacht hat.

Zusammenfassung:

Cover: 4/5
Story: 3,5/5
Setting: 3/5
Figuren: 3,5/5
Schreibstil: 3/5 (Abzug für Zeitsprünge)
Insgesamt: 3,5/5

Das Spiel der Götter – Die eisige Zeit – Steven Erikson

Inhalt:
Die fanatischen Heerscharen des Pannionischen Sehers stürmen aus dem Süden heran und überziehen Genabackis mit einer Welle der Gewalt. Um die schreckliche Armee abzuwehren, muss sich Hohefaust Dujek Einarm mit seinen früheren Feinden verbünden. Ob er dem Kriegsherrn Caladan Bruth und den Bewohnern der fliegenden Festung Mondbrut trauen kann, ist eine andere Frage. Doch Einarm hat keine Wahl: Die Truppen des Feindes rücken näher …

Was passiert … was … zur Hölle … was?!

So oder so ähnlich klinge ich beim Lesen dieser Reihe. Entweder, weil ich gerade keine Ahnung habe, was passiert, oder weil ich mir nur denke: Hat er nicht getan!
Die Antwort darauf ist immer: Doch, hat er getan 😉

Die „Das Spiel der Götter“-Reihe ist meiner Meinung nach das beste, was die Fantasy des 21. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Ja, sogar besser als die Askir-Reihe und ihr wisst, dass das was bei mir heißt. Als ich damals mit Band 1 angefangen habe, habe ich den erstmal abgebrochen. Ich war frustriert, weil ich nicht verstanden habe, worum es ging. Ich habe das Magie-System nicht verstanden, das Götter-System sowieso nicht und die Geschichte war aus so vielen Einzelteilen zusammengesetzt, dass nicht einmal ich sie im Kopf behalten konnte …
Aber dann meinte mein Lieblingsbuchhändler zu mir: Ja, der erste Band ist anstrengend, durch die ersten 100 Seiten muss man sich durchkämpfen. Danach wirst du nie wieder etwas anderes lesen wollen.
Vielleicht ein klein wenig übertrieben, aber im Kern hatte er recht. Schon in der Mitte von Band 1 war ich vollkommen überzeugt von dieser Reihe und danach wurde es immer und immer besser.

Die Figuren: Mit Erikson ist das so. Er handelt die Geschichte nicht chronologisch den Figuren folgend ab, sondern chronologisch den Ereignissen folgend. Das heißt in Band 4 sind wir zu den Figuren des ersten Bandes zurückgekehrt. Einige vertraute Gesichter fehlen (weiß der Himmel, wo sie gerade rumturnen), aber Dujek Einarm, Elster, der Schnelle Ben, Caladan Bruth und Anomander Rake sind wieder von der Partie. Und verdammt nochmal sind diese Figuren episch. In Band 2 gab es eine Figur, die ich bis aufs Blut gehasst habe (war aber wohl beabsichtigt), aber hier … sie sind einfach alle viel zu cool, um sie nicht zu mögen. Und es gab einige sehr lustige Szenen, absolut skurril, als alle aufeinander getroffen sind. Aber auch neue Figuren wie die Mhybe, Silberfuchs und Lady Missgunst fand ich sehr spannend und ich freue mich darauf, sie näher kennenzulernen.
Die ganzen Figuren auseinanderzuhalten wird dadurch einfacher, dass sie wirklich alle einzigartig sind!

Das Setting: Ein bisschen schade fand ich es schon, dass wir die Wüste und die Sieben Städte hinter uns gelassen haben, aber ich wurde relativ schnell darüber hinweggetröstet. Zwar war das Setting in diesem Band nicht so wichtig, wie zum Beispiel in Band 2 und 3, aber das, was man davon mitbekommen hat, war definitiv spannend und gut beschrieben.

Die Handlung: Wo fange ich an? Ohne zu spoilern? Auf jeden Fall will ich so viel sagen: Man hat sehr viele Aha-Momente. Viele rätselhafte Dinge werden aufgeklärt und man versteht endlich mehr über das Magie- und Götter-System. Die neuen Antagonisten, die pannionische Domäne, ist ein absoluter Meisterschachzug. Ich hatte echt Gänsehaut, als sie näher beschrieben wurde. Weiße Wanderer, ihr könnt einpacken. Und das beste daran ist? Das unheimlichste an der Domäne ist nicht das Übernatürliche, der göttliche Einfluss. Sondern die Taten, zu denen fanatische Menschen fähig sind. Und dass ich, obwohl ich wusste, dass es Fantasy ist, hin und wieder gedacht habe: Jap. Das könnte auch in unserer Welt so passieren.

Der Schreibstil: Wie gesagt, Erikson erklärt wenig. Ich war immer schon froh, wenn die Figuren Fragen gestellt oder Ereignisse rekapituliert haben. Das hat enorm geholfen, den Überblick zu behalten. Ansonsten ist der Schreibstil recht angenehm zu lesen. Er ist nicht irgendwie übermäßig poetisch oder hochtrabend.

Ein paar Worte zur Fantasy: Aus Gründen, die ich gut verstehen und nicht immer gutheißen kann, wird alles mit J. R. R. Tolkien verglichen. Das ist weder Tolkien noch modernen Autoren_innen gegenüber fair, aber Tolkien ist nun einmal derjenige, der die moderne Fantasy geprägt hat. Darüber reden wir aber ein andermal.
Was ich nicht verstehen kann, ist, dass jemand wie George R. R. Martin auf so einen Thron gehoben wird und unbekanntere Autoren wie Erikson, Schwartz oder Feist mehr oder weniger ignoriert werden. Die „Game of Thrones“-Reihe ist … okay. Die ersten Bände mag ich, die letzten Bände sind meiner Meinung nach einfach nur noch wirr. Die Eigenleistung von Martin ist gleich null. Er lässt sich viel von der britischen Geschichte inspirieren, was ich nicht schlimm finde, aber wenn man sich dann anschaut, dass Erikson 6 Jahre lang nur geplant hat, um diese Welt zu erschaffen … (und dann sogar seine Reihe beendet hat *hüstel*). Es erscheint mir einfach nicht fair.
Ja, Erikson lesen ist nicht einfach. Man braucht vor allem am Anfang ein bisschen Geduld und muss es ertragen, nicht alles erklärt zu bekommen – was uns modernen Lesern sowieso schwerfällt, weil wir in Büchern alles zu Tode erklärt bekommen.
Also: Gebt Erikson eine Chance. Er hat sie definitiv verdient.

Zusammenfassung (Band 4):

Cover: 5 / 5
Story: 4 / 5
Setting: 4 / 5
Figuren: 5 / 5
Schreibstil: 5 / 5
Insgesamt: 5 / 5

Askir und Götterkriege – Richard Schwartz [Gesamtrezension]

Inhalt von Sammelband 1:
Das Epos um das legendäre Reich Askir: Havald, ein Krieger aus dem Reich Letasan, und die undurchschaubare Magierin Leandra verschlägt es in das abgeschiedene Wirtshaus »Zum Hammerkopf«. Dort müssen sie nicht nur einen blutigen Mord aufklären, sondern erfahren auch, dass sich unter dem Gasthof mysteriöse Kraftlinien kreuzen. Und dass ein magisches Portal sie ins zersplitterte Reich Askir führen kann …

Ein Muss für Fantasy-Fans?

Ich beantworte die Frage mal direkt: ja! Die Askir- und Götterkriege-Reihe gehört meiner Meinung nach zu dem Besten, was das Fantasy-Genre seit 2000 hervorgebracht hat. Und das nicht nur, weil man hier als Lesedrache mit 7.280 insgesamten Seiten (ja, das habe ich für euch nachgerechnet) (ja, mit meinem Handy) (ich studiere Sprachen, lasst mich!) mehr als nur auf seine Kosten kommt – sondern auch, weil die gesamte Buchreihe neue Standards setzt, was Figuren und Worldbuilding angeht. Gucken wir uns das ganze mal genauer an …

Die Story: Wo soll man hier anfangen? Vor allem, wenn man nicht spoilern will, da jeder Band mit neuen Wendungen und Plottwists um die Ecke kommt? Aber gut. Die Story ist eine Art Heldenreise. Wir begleiten die meiste Zeit Havald, aus der Ich-Perspektive, ein gealterter, vom Leben enttäuschter Nationalheld. Er wird, am Anfang gegen seinen Willen, in eine rasante Jagd nach der Wahrheit verstrickt. Nach der Wahrheit über sich selbst, seine Heimat und die Ursprünge von allem, was er glaubt zu kennen. Aber das fasst nicht einmal annähernd die Geschichte zusammen, die sich über tausende von Seiten erstreckt.
Nicht jedes Buch ist gleich spannend oder hat mir gleich gut gefallen. Im zweiten Sammelband war ich kurz davor, die Reihe an den Nagel zu hängen. Aber mein Buchhändler des Vertrauens versicherte mir: Durchhalten, es wird wieder besser.
Und wie es das wurde. Im Nachhinein mache ich dem Autoren auch absolut keinen Vorwurf! Dass er es überhaupt schafft, einen kontinuierlichen Story- und Spannungsbogen zu halten, ist absolut bewundernswert (*hüstel nicht so wie andere Autoren, die viel mehr gefeiert werden hüstel*). Dass da auch mal Ausreißer dabei sind, finde ich völlig in Ordnung. Also an alle, die im zweiten Sammelband feststecken und Havald gerne sein Schwert, über das er die ganze Zeit jammert, über den Kopf ziehen wollen: Es wird besser. Versprochen 😉

Die Figuren: Manche mochte ich, manche fand ich doof, bei manchen hat sich das von Band zu Band verändert. Aber sie alle hat eins geeint: Sie waren großartig ausgearbeitet, vielschichtig und haben so gut wie immer absolut nachvollziehbar gehandelt.
Dadurch, dass Havald kein junger Mann mehr ist, hatten wir bei ihm nicht sehr viel Entwicklung. Was ich allerdings angenehm fand, war, dass er immer mehr in seine Rolle hineingewachsen ist und trotzdem immer er selbst geblieben ist.
Zokora war für mich mit Abstand eine der coolsten Figuren. Sie war tough, witzig und hat eine wahnsinnige Entwicklung durchgemacht, ohne dabei den Kern ihres Wesens zu verlieren. Männlichen Autoren sagt man ja gerne nach, dass sie Frauenfiguren nicht hinbekommen – Schwartz beweist hier das Gegenteil.
Leandra und ich haben uns nicht gut verstanden. Am Anfang mochte ich sie sehr, zwischendurch habe ich sie gehasst und am Ende fand ich sie erträglich. Aber definitiv eine spannende, vielschichtige Figur, über die man lange diskutieren kann. Und ohne Zweifel eine starke Frau!
Serafine ist der Punkt, an dem ich sagen würde: Hätte man vielleicht besser machen können. Am Anfang fand ich sie klasse, mochte sie viel lieber als Leandra. Leider wurde sie im Laufe der Bände immer … nerviger. Sie hat Havald immer wieder die gleichen Sachen vorgeworfen, ihm grundlos nicht vertraut und hat sich aufgeführt wie ein Kleinkind.

In jedem Sammelband ist eine wunderschöne Karte enthalten!

Das Setting: Dazu muss ich eigentlich gar nicht viel sagen. Das Setting ist eines der besten und ausgeklügelsten Settings, das ich kenne. Es ist nicht übermäßig kompliziert, sodass man nicht alle paar Seiten verwirrt innehalten muss. Es wird nach und nach in jedem Band aufgedeckt, weil auch die Figuren immer mehr der Welt entdecken, was es sehr einfach macht, die Welt ebenfalls Stück für Stück kennenzulernen. Ausgezeichnet gelöst!
Allgemein konnte mich das Worldbuilding restlos überzeugen. Es war einzigartig, gut erklärt und hat immer wieder für Überraschungen beim Lesen gesorgt.

Gesamteindruck: Eine Reihe, bei der es sich definitiv lohnt, durchzuhalten. Eigentlich ist jeder Band spannend, mir sind so gut wie keine Logikfehler oder Plotholes aufgefallen (was bei so vielen Seiten eine wahnsinns Leistung ist) und der aufregende Plot mit den drölftausend Wendungen lässt einen nicht gelangweilt zurück.

Hand für Größenverhältnisse …

Zusammenfassung:

Cover: * * * * * * * * * * (ist klar, ne?)
Story: * * * *
Setting: * * * * * * * * * * * * * * * * * etc.
Figuren: * * * *
Schreibstil: * * * * *
Insgesamt: Was war die Höchstgrenze? Fünftausend?

SAMe Love – Nadine Roth

Inhalt: Die siebzehnjährige Sam will nur eins in ihrem Leben: glücklich sein. Doch wenn sie in den Armen ihres Freundes Robin liegt, ist sie ganz und gar nicht glücklich. Es fühlt sich falsch an. Unvollständig. Erst als die neue Schülerin Romy wie ein Wirbelwind nicht nur ins Klassenzimmer, sondern auch in Sams Leben platzt, sind da mit einem Mal die Gefühle, die sie sich bei Robin so sehnlich gewünscht hat. Die sich richtig anfühlen und vor denen Sam sich dennoch fürchtet. Es kann doch nicht sein, dass sie sich ausgerechnet in eine Frau verliebt! Oder doch? Und selbst wenn – hat diese Liebe überhaupt eine Chance in einer Welt voller Intoleranz, Vorurteilen und Tabus? Eine Geschichte über ein Coming-out und die ganz große Liebe.

Jede Repräsentation ist gut. Oder?

Auf das Buch wurde ich während der LBM 2019 aufmerksam gemacht. Eine lesbische Liebesgeschichte in Richtung New Adult Genre? Das klang potenziell interessant für mich!
Und zuerst war ich auch ziemlich angetan. Kleine Vorabinfo: Das Buch ist nicht durch und durch schlecht. Ich finde es immer noch gut, dass Bücher mit LGBTQ+ Inhalt auf dem Markt ankommen, gemocht werden, geschrieben werden. Trotzdem ist meine Leseempfehlung für dieses Buch nur sehr eingeschränkt vorhanden. Es sollte sozusagen mit Vorsicht genossen werden.

Die Charaktere: Romy hat mir ziemlich gut gefallen. Ich konnte mich gut in sie reinfühlen, obwohl sie kein erzählender Charakter war, und sie war mir sympathisch.
Sam … Sam hat mir im ersten Drittel häufig direkt aus der Seele gesprochen, was der Grund für meine anfängliche Begeisterung war. Je länger ich jedoch gelesen habe, desto weniger habe ich sie verstanden. Ich konnte ihre Gedankengänge nicht gut nachvollziehen und ihre Schlussfolgerungen haben den Eindruck erweckt, als wäre sie kein ganz helles Köpfchen.

Die Lovestory: Wie sie sich entwickelt hat, fand ich relativ gut. Schön langsam, damit Sam auch Zeit hatte, sich in ihrer Sexualität neu zu finden. Etwas schwierig fand ich die intimen Szenen, weil Sam, die vorher ein schwieriges Verhältnis zu Sex hatte, sofort Feuer und Flamme war und alles mitgemacht hat. Äh … Nein. So funktioniert das nicht.
Allerdings kommen wir hier auch zu einem der größeren Knackpunkte der Geschichte …

Das Coming-Out und Queerness im Buch: Das erzwungene Coming-Out war extrem unrealistisch, unpassend und übertrieben. Ich war auf einer katholischen Mädchenschule mit NONNEN und da hat es niemanden wirklich interessiert, ob da zwei Mädchen Händchen gehalten haben. Ja, es gibt viele Vorurteile. Ja, schwere Coming-Outs gibt es. Aber eine ganze Schule als homophob darzustellen, aufgehetzt von einem einzigen Mädchen, ist einfach nicht zeitgemäß meiner Meinung nach – und mit der Meinung stehe ich in der Community nicht alleine da.
WrongTurn … Ich musste prusten, als die Band vorkam. Mir war absolut klar, auf was das anspielen soll und ich verabscheue das Shippen realer Personen. Und der superberühmte, professionelle Sänger verliert dann total die Fassung mitten auf der Bühne, weil sich zwei Mädchen küssen und ein „Love is Love“-Schild hochhalten? Beestiiimmt. Nicht. (Fun Fact: Von der Bühne aus sieht man im Zuschauerraum so gut wie nichts.)

Der Schreibstil: Der war soweit okay, aber man hat leider gemerkt, dass die Autorin definitiv nicht mehr 17 ist und sich auch lange nicht mehr mit 17-Jährigen Mädels unterhalten hat. Ich finde das Wort „antörnen“ ist sowieso schon eines der unsexiesten Wörter, die es gibt. Und ich bezweifle, dass Teenager das noch benutzen. Außerdem ….. Wortfelder aus dem Autobereich in intimen Szenen sind halt auch irgendwie … unsexy.

Spoiler: Robin: Nochmal, hier kommt jetzt ein Spoiler!
Robin ist Sams Freund zu Beginn des Buches, zwischendurch Ex-Freund und am Ende … Am Ende ist er ein mieses, homophobes (echt, jeder in diesem Buch ist homophob, bis auf Romys Familie), vergewaltigendes Schwein. Und er fängt als netter Kerl von nebenan an, das sollte man noch dazu sagen. Ganz zu schweigen davon, dass ich es höchst fragwürdig finde, in einer süßen Liebesgeschichte mehr oder weniger explizit Vergewaltigung und Nötigung zu BESCHREIBEN, war die Charakter-Entwicklung einfach absolut unglaubwürdig.
Oh. Und eine Trigger-Warnung gab es übrigens auch nicht. Da ich auch Band 2 gelesen habe, kann ich darüber hinaus noch sagen: Damit wird nicht adäquat umgegangen. Absolut nicht.

Zusammenfassung:

Cover: * * *
Story: * *
Figuren: * * *
Repräsentation: * *
Schreibstil: * *
Insgesamt: * * –

Alba – Zwischen den Welten – Carina Schnell

[Das eBook wurde mir von der Autorin gestellt, da ich Sensitivity Readerin für Band 2 bin, das Taschenbuch habe ich mir selbst gekauft]

Inhalt:
Die kanadische Journalistin Catriona Keith reist nach Schottland, um vor Ort über die politischen Unruhen im Land zu berichten. Auf ihrem Ausflug durch die Highlands begegnet sie im Pub einem mysteriösen Fremden, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Als sie kurz darauf angegriffen und gejagt wird, fällt sie auf ihrer panischen Flucht durch einen Tümpel und findet sich plötzlich in Alba, dem Reich der Feen, wieder.
Schnell wird klar, dass der gutaussehende Fremde aus dem Pub ein Feenkrieger namens Carrick ist, der zu einem einzigen Zweck ausgebildet wurde: Seherinnen wie Catriona, die Feen sehen und in ihre Welt reisen können, zu töten. Doch als eine Bedrohung heraufzieht, die sowohl das Ende Albas als auch der Menschenwelt bedeuten könnte, müssen die beiden sich zusammentun, um die uralte Fehde zwischen Menschen und Feen beizulegen und ihre beiden Völker zu retten.

Team Nairn! Team Schottland! Wuhu!

Kaum hatte ich das Cover und den Klappentext auf Instagram gesehen, wusste ich: Das Buch muss ich haben! Carina hatte mir dann direkt verraten, dass man es schon vorbestellen kann und das habe ich natürlich sofort gemacht … 😉

Die Charaktere: Im Großen und Ganzen habe mir die Figuren sehr gut gefallen. Besonders Nairn hat es mir angetan! Aber auch Carrick und Cate mochte ich, sie als Pärchen empfand ich als unaufgeregt und natürlich. Ab und zu reagierte mir Cate aber etwas zu heftig. Auch ihre Erwartungshaltung, dass Carrick den ersten Schritt macht, empfand ich etwas anstrengend und altmodisch.

Das Setting: Nach der Lektüre hatte ich definitiv Lust nach Schottland zu reisen, also dafür definitiv ein Pluspunkt! Die Beschreibung der Feenwelt fand ich ganz schön, aber noch etwas vage.

Der Schreibstil: Dieser Punkt war für mich der überzeugendste des ganzen Buches. Der Schreibstil war nicht zu ausufernd, aber mit genug Details, um in die Szene eintauchen zu können. Der Stil ist so flüssig, dass ich richtig durch die Seiten geflogen bin und nach 3 Stunden mit dem Buch durch war.

Zusammenfassung:

Cover: * * * *
Story: * * *
Setting: * * *
Figuren: * * *
Schreibstil: * * * * *
Insgesamt: * * *

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